Hurrikanaktivität hat während der vergangenen 65 Jahre abgenommen

Die Hurrikansaison ist erstmal vorbei. Das bietet eine gute Gelegenheit, unaufgeregt in die Fachliteratur hineinszuschauen. Was gibt es Neues? Am 8. Dezember 2017 erschien in den Geophysical Research Letters eine Arbeit von Ryan Truchelut und Erica Staehling. Sie untersuchten die Entwicklung der nordamerikanischen Hurrikane auf Basis der sogenannten “angehäuften Zyklonenergie” (accumulated cyclone energy, ACE). Die Forscher fanden eine statistisch signifikante Abnahme der Hurrikanaktivität während der vergangenen 65 Jahre. Die Hurrikanflaute der letzten Jahre (mit Ausnahme des sehr aktiven Jahres 2017) stellte dabei die inaktivste Phase des gesamten Untersuchungszeitraums dar. Abstract:

An Energetic Perspective on United States Tropical Cyclone Landfall Droughts
The extremely active 2017 Atlantic hurricane season concluded an extended period of quiescent continental United States tropical cyclone landfall activity that began in 2006, commonly referred to as the landfall drought. We introduce an extended climatology of U.S. tropical cyclone activity based on accumulated cyclone energy (ACE) and use this data set to investigate variability and trends in landfall activity. The drought years between 2006 and 2016 recorded an average value of total annual ACE over the U.S. that was less than 60% of the 1900–2017 average. Scaling this landfall activity metric by basin-wide activity reveals a statistically significant downward trend since 1950, with the percentage of total Atlantic ACE expended over the continental U.S. at a series minimum during the recent drought period

Das CO2 in der Atmosphäre steigt unablässig, die Hurrikanaktivität sinkt. Offenbar haben die beiden Trends wenig miteinander zu tun. Angesichts der klaren Faktenlage wundert es nicht, dass die NOAA (über das Geophysical Fluid Dynamics Laboratory, GFDL) in einem offiziellen Statement vor einer Verknüpfung von Treibhausgasen und Hurrikanen dringend warnt:

It is premature to conclude that human activities–and particularly greenhouse gas emissions that cause global warming–have already had a detectable impact on Atlantic hurricane or global tropical cyclone activity. That said, human activities may have already caused changes that are not yet detectable due to the small magnitude of the changes or observational limitations, or are not yet confidently modeled (e.g., aerosol effects on regional climate).

In Potsdam nimmt man es mit den Fakten nicht ganz so genau. Hauptsache schrill. Anlässlich des Hurrikan Harvey trat Anders Levermann in einem Rundfunkinterview am 1.9.2017 bei Radio Eins auf. Dort sagte er: Wenn es wärmer wird kommt mehr Wasserdampf in die Atmosphäre und es gibt mehr Regen und dann passiert so ein Hurrikan mit Flutkatastrophe in Houston. Ganz einfach, oder? Etwas später im Interview fügt Levermann übrigens noch ein “vielleicht” hinzu.

Was Levermann hier macht ist eine schlimme Irreführung der Hörer, denn die Abnahme der Hurrikanaktivität während der letzten 65 Jahre spricht eindeutig gegen den simplistischen Ansatz. Bei der BBC geht man seriöser an die Sache und verschweigt die Komplexität nicht. Gerade die Verbindung von Hurrikanen und Klimawandel ist sehr schwierig herzustellen denn es gibt viele Effekte die zu beachten sind. Neben den thermodynamischen kommen strömungstechnische hinzu und die Zuweisung des Ereignisses zum Klimawandel ist kaum möglich da sich die beteiligten Faktoren verstärken oder auslöschen können. Eine genügend auflösende Modellierung ist auch nicht möglich. In Houston kam eine blockierende Wetterlage hinzu, sie bewirkte das lange Verharren des Regens über einem kleinen städtischen Raum.

Wer da mal so einfach behauptet, dass ein (gewisser..welcher?) Teil des Desasters dem menschgemachten Klimawandel zuzuschreiben ist und auch die Freud’sche Fehlleistung eines relativierenden “vielleicht” korrigiert, macht es sich viel zu einfach. Der Versprecher offenbart übrigens, dass Levermann es besser weiß. Das “vielleicht” war nur kontraproduktiv für die Propagandamission. Alle Katastrophen müssen zwanghaft dem menschgemachten Klimawandel zugewiesen werden. Ein “vielleicht” stört da nur. Die Auflösung der Frage wo das Problem in Houston lag, findet man übrigens auch im Artikel von BBC:

“Climate change did not make people build along a vulnerable coastline so the disaster itself is our choice and is not linked to climate change.”

Auch bei der ARD ist man vorsichtig geworden. Der TV-Meteorologe Donald Bäcker erteilte den Postdamer Schnellschüssen eine klare Absage.

Im Juni 2017, zu Beginn der Hurrikansaison, veröffentlichten Judith Curry und CFAN eine Prognose. Darin gingen sie von einer überdurchschnittlichen Aktivität aus. Sie hatten Recht. Wenn das auch im nächsten Jahr so gut klappt, dann gäbe es eine wichtige neue Vorhersagemethode, die für die Gesellschaft zwecks Vorsorge überaus nützlich wäre.

Noch mehr Prognosen: Hurrikane haben einen gewissen Vorlauf. Auf Satellitenbildern kann man die Entstehung der Stürme vor Westafrika verfolgen. Aber nicht alle afrikanischen Babyhurrikane schaffen es über den Atlantik nach Amerika. Die Tel Aviv University hat jetzt ein Modell entwickelt, mit dem man bestimmen kann, welche Stürme gefährlich und welche sich auflösen werden. Pressemitteilung hier.

Mittelfristig lässt sich die Hurrikanaktivität ganz gut vorhersagen, denn sie ist eng an den AMO-Ozeanzyklus gekoppelt, die Atlantische Multidekadenoszillation, die eine Periodizität von 60 Jahren besitzt. Michel de Rougemont erinnerte daran in einem Aufsatz in WUWT.

In der FAZ wies Winand von Petersdorff am 31. August 2017 auf einen wichtigen Schadensfaktor von Hurrikan Harvey hin:

Flut in Houston: Das menschengemachte Desaster
Der Großraum Houston boomt seit Jahren. Der Preis: Viele Häuser entstanden in klassischem Hochwassergebiet. Das Risiko dafür trägt der amerikanische Steuerzahler. [...] Die gewaltigen Kosten entstehen vor allem, weil der seit Jahren boomende Großraum Houston mit seinen 6,5 Millionen Menschen im großen Stil Bebauungen in Niederungen zugelassen hat, die regelmäßig von Überflutungen und Hochwasser heimgesucht werden. Nicht umsonst ist Houston für seine liberale Baugesetzgebung im ganzen Land bekannt. Die Bebauungen, des Seeblicks wegen oft rund um kleine Buchten errichtet, produzieren gleich mehrere Probleme. Die Häuser werden häufiger als üblich von Naturkatastrophen getroffen.

Weiterlesen in der FAZ

 

Arktische Rußproblematik sollte vor allem von arktischen Ländern angegangen werden

Sie erinnern sich: Klimaforscher hatten den Ruß in ihren Klimagleichungen doch glatt vergessen. Als sich dann aber herausstellte, dass der Ruß viel stärker wärmt als lange angenommen, war guter Rat teuer. Wem sollte man denn nun die Wärmleistung im Gegenzug wegnehmen? Dem CO2? Das glauben Sie ja selber nicht, das gäbe doch nur einen politischen Eklat. Also erhöhte man kurzerhand die Kühlleistung der Schwefeldioxid-Aerosole, dann “passte” es wieder. Die entsprechenden Schwefeldioxid-Kollegen wurden sozusagen alt erwischt und erstarrten für ein, zwei Jahre. Aber langsam tauten sie wieder auf und wehrten sich gegen diesen Rechentrick. Sie schraubten die Kühlwirkung wieder zurück und identifizierten den wahren Kandidaten: Das CO2, das in Wirklichkeit gar nicht so stark erwärmt. Auf die nächste Episode in dieser Seifenoper kann man gespannt sein. Denn nun müssten eigentlich die Klimamodellierer das alles in ihre Simlationen einbauen und eine deutliche geringere Erwärmung für die kommenden Jahrzehnte prognostizieren. Noch halten sie ihre Karten aber verdeckt. Erst zum neuen IPCC-Bericht wird man hier wohl Neuigkeiten erwarten können. Welchen Hasen zaubern sie wohl diesmal aus dem Hut?

Eine Gruppe um Francesco Muschitiello fand jetzt heraus, dass vulkanischer Ruß viel weiter durch die Atmosphäre transortiert wird als gedacht, und es sogar bis auf die polaren Eisschilde schafft. Dort verstärkt der vulkanische Ruß dann das Abschmelzen des Eises. Währenddessen wird es in anderen Teilen der Welt kälter, nämlich durch das vulkanische Schwefeldioxid aus dem selben Ausbruch.

Aber nur vulkanischer Ruß wird in die hohe Atmosphäre geworfen und schafft es in die Arktis. Ruß aus anderen Quellen hat offenbar viel kürzere Reichweiten. Das wurde auch in einer kürzlichen Studie von Stine Aakre und Kollegen klar, die Anfang 2018 in Nature Climate Change erschien. Die Autoren stellen darin klar, dass das arktische Eis vor allem von Ruß aus arktischen Quellen bedroht wird. Aus diesem Grund müssten vor allem die arktischen Anrainerländer ihren Ruß-Ausstoß selber reduzieren. Im Gegensatz zum globalen CO2-Phänomen, muss die arktische Rußproblematik eher regional angegangen werden. Hier der Abstract:

Incentives for small clubs of Arctic countries to limit black carbon and methane emissions
Although addressing climate change will ultimately require global cooperation, substantial progress may be achieved through small clubs of countries, where it is easier to forge and implement deals needed for policy coordination. Here we quantify the gains from cooperation in the Arctic region and find that nearly 90% of the potential for abating black carbon can be reached by countries acting in self-interest alone because soot, the main source of black carbon, causes severe harm to human health along with warming. Abating methane, by contrast, requires more cooperation because impacts are more diffused geographically. Well-designed clubs with as few as four members can realize more than 80% of the full group cooperation potential for reducing these pollutants. The pivotal player in every effective club is Russia—most other members of the Arctic Council, the institution most focused on advancing the collective interests of the region, offer little leverage on the problems at hand.

 

 

Weniger Hitzewellen: Schrumpfendes arktisches Meereis führt zu kälteren Sommern in mittleren Breiten

Nach einem starken Rückgang des Meereises auf der Nord- und Südhalbkugel, erholt sich das Eis derzeit wieder und wächst (Climate4You, Dezember 2017, pdf). Allerdings erscheint insbesondere das arktische Meereis immer noch recht mickrig, im Vergleich zu den Vorjahreswerten. Zwischenzeitlich gab es Bedenken, dass die Eismessungen auch robust genug sind. Im Jahr 2016 unterlief dem National Snow & Ice Data Center (NSIDC) offenbar ein Fehler, ein Vorfall der in der Folge als “Icegate” betitelt wurde. Im April 2016 meldete das NSIDC, dass ein Sensor an einem Satelliten defekt war, und unterbrach die Messungen. Erst im Mai 2016 ging es dann mit provisorischen Daten weiter. Immer wieder gab es zackige Ausreißer in den Kurven, die sich als Artefakte herausstellten. Im Januar 2018 konnte dann Tom Wiita auf WUWT zeigen, dass das NSDIC kräftig an den Daten geschraub hat. Am Beispiel des arktischen Oktober-Meereises wurde klar, dass sich die Berechnungsmethode geändert hat, so dass sich die Gesamteisfläche in der neuen Rechenart reduziert hat. Dies sollte man beim Vergleich alter und neuer Daten stets berücksichtigen.

Erinnern Sie sich? Das schrumpfende arktische Meereis sollte zu mehr Kältewellen in Europa führen, erklärten uns einige Wissenschaftler. Die Kältewellen passten nicht so recht in das alarmistische Klimagedankengebäude. Vor zwei Jahren berichteten dann Wu et al. (2016), dass das fehlende Eis auch die Sommer in den mittleren Breiten der Nordhalbkugel, also auch in Mitteleuropa, abkühlen lässt. Vermehrte Hitzewellen wären demnach in Zukunft ersteinmal nicht zu erwarten. Abstract:

Suppressed midlatitude summer atmospheric warming by Arctic sea ice loss during 1979–2012
Since the 1980s, rapid Arctic warming, sea ice decline, and weakening summer circulation have coincided with an increasing number of extreme heat waves and other destructive weather events in the Northern Hemisphere (NH) midlatitudes in summer. Recent papers disagree about whether such high-impact events are related to Arctic warming and/or ice loss. Here we use atmospheric model ensemble simulations to attribute effects of sea ice loss and other factors on observed summer climate trends during 1979–2012. The ongoing greenhouse gas buildup and resulting sea surface temperature warming outside the Arctic explains nearly all land warming and a significant portion of observed weakening zonal winds in the NH midlatitudes. However, sea ice loss has induced a negative Arctic Oscillation(AO)-type circulation with significant summer surface and tropospheric cooling trends over large portions of the NH midlatitudes, which reduce the warming and might reduce the probability of regional severe hot summers.

 

Gelangt ein Teil des grönländischen Schmelzwassers gar nicht in den Ozean, sondern gefriert wieder im Untergrund?

Das grönländische Inlandeis schmilzt, das steht außer Frage. Aber ist der Beitrag zum Meeresspiegelanstieg wirklich so große wie immer angenommen? Ein Artikel von Horst Rademacher in der FAZ am 14. Januar 2018 zu einem interessanten neuen Paper lässt aufhorchen:

Klimawandel: Wohin strömt Grönlands schmelzender Eispanzer?
Große Mengen des abfließenden Schmelzwassers versickern vor Ort auf Grönland und gelangen daher nicht ins Meer. Ist der Beitrag des schmelzendes Eispanzers zum Meeresspiegelanstieg überschätzt worden? [...] Wie die Wissenschaftler um Smith in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften berichten, fließt aus der Wasserscheide aber erheblich weniger Schmelzwasser ab, als es die Berechnungen verschiedener numerischer Modelle eigentlich erwarten lassen. Die Unterschiede zwischen den Ergebnissen der Modellrechnungen und den aktuell gemessenen Werten beträgt dabei bis zu sechzig Prozent. Diese deutliche Diskrepanz ist nach Meinung von Smith und seinen Kollegen teilweise darauf zurückzuführen, dass ein Teil des Schmelzwassers in poröse, tiefer unter der Oberfläche liegende Eisschichten eindringt, dort längere Zeit verbleibt und möglicherweise sogar wieder gefriert. Nun wird überlegt, wie sich jene theoretischen Modelle, welche die Massenbilanz des Eises auf Grönland numerisch simulieren, an die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort anpassen lassen.

Ganzen Artikel in der FAZ lesen.

Eine spannende Sache. Steckt hier auch  die Lösung für die Diskrepanz des globalen Meeresspiegelanstiegs, der laut Küstenpegeln nur gut halb so hoch ist als theoretisch von Satelliten abgeleitet?

Immer wieder müssen grönländische Küstengletscher als Klimaalarmthema herhalten. Eine Gruppe um  Anders Anker Bjørk hat sich die Entwicklung dieser Gletscher nun für die vergangenen 100 Jahre angeschaut und kommt zu einem überraschenden Schluss: Die Gletscher “tanzen” im Takte der Nordatlantischen Oszillatuion (NAO), einem wichtigen atlantischen Ozeanzyklus, der Schmelzen und Wachstum steuert. Momentan schmelzen sie wieder. Allerdings schmolzen sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts schonmal deutlich schneller, als natürlicher Wärmerebound nach der Kleinen Eiszeit. Hier der Abstract aus nature climate change:

Changes in Greenland’s peripheral glaciers linked to the North Atlantic Oscillation
Glaciers and ice caps peripheral to the main Greenland Ice Sheet contribute markedly to sea-level rise1,2,3. Their changes and variability, however, have been difficult to quantify on multi-decadal timescales due to an absence of long-term data4. Here, using historical aerial surveys, expedition photographs, spy satellite imagery and new remote-sensing products, we map glacier length fluctuations of approximately 350 peripheral glaciers and ice caps in East and West Greenland since 1890. Peripheral glaciers are found to have recently undergone a widespread and significant retreat at rates of 12.2 m per year and 16.6 m per year in East and West Greenland, respectively; these changes are exceeded in severity only by the early twentieth century post-Little-Ice-Age retreat. Regional changes in ice volume, as reflected by glacier length, are further shown to be related to changes in precipitation associated with the North Atlantic Oscillation (NAO), with a distinct east–west asymmetry; positive phases of the NAO increase accumulation, and thereby glacier growth, in the eastern periphery, whereas opposite effects are observed in the western periphery. Thus, with projected trends towards positive NAO in the future5,6, eastern peripheral glaciers may remain relatively stable, while western peripheral glaciers will continue to diminish.

 

Foto: Russell Gletscher bei Kangerlussuaq in Grönland, Kalben im Spätsommer. Foto: Greenland Travel. Verwendung mit freundicher Genehmigung.

 

Fritz Vahrenholts Sonnenkolumne 1/18: Klima-Wetter

27.1.2018
Die Sonne im Dezember 2017 und das Klima

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Sonne war im Dezember erneut unternormal aktiv. An 16 der 31 Tagen des Dezember blieb sie gänzlich fleckenlos. Der Vergleich der 24 Solarzyklen zeigt, dass nach dem herausragenden Maximum von 1944 bis 2008 die Aktivität auf das Niveau des Dalton-Minimums von 1790 bis 1830 abstürzt.
Mittlerweile gibt es eine Arbeit von Ronald van der Linden vom Royal Observatorium in Belgien und Forscherinnen aus Graz und Moskau, die einen noch schwächeren Zyklus 25 vorherberechnen. Wir bleiben bei unsere Arbeitshypothese, dass wir bis 2040 eine dem Dalton-Minimum entsprechende inaktive Sonne erleben werden. Selbst den größten Klimaalarmisten wie Gavin Schmidt, Leiter des GISS Institutes der NASA und seinem Vorgänger James Hansen wird die Schwäche der Sonne langsam mulmig:

“However, the solar variability is not negligible in comparison with the energy imbalance that drives global temperature change. Therefore, because of the combination of the strong 2016 El Niño and the phase of the solar cycle, it is plausible, if not likely, that the next 10 years of global temperature change will leave an impression of a ‘global warming hiatus’.”

Da wird schon mal vorgebaut für den Fall, dass die Temperaturen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stagnieren und die Pause des Anstiegs von 1998 bis 2014 wieder zurückkehrt. Wenn aber die Temperaturentwicklung nicht die notwendige Panik erzeugen kann, um weitreihende politische Forderungen zur Geltung zu bringen wie Verbot der Nutzung von Kohle, Öl und Gas oder des Verbrennungsmotors, so nutzt man Wetterextreme, um zum Ziel zu gelangen. Wetterextreme sind der neue Gral der Klimaalarmisten. Da lässt sich zwar statistisch über größere Zeitreihen kein Zusammenhang konstruieren, wie wir es bei dem angeblichen Hurrikananstieg zeigen konnten. Aber jedes Extrem ist recht, das eigene Narrativ zu unterfüttern.

So gab es pünktlich zum Jahreswechsel  im Osten der USA eine ungewöhnliche aber nicht seltene  Kältewelle. Sie nennen es dort einen „Outbreak“, weil arktische Luftmassen den Polarkreis verlassen und weit nach Süden vorstoßen. Die Topologie in Amerika macht das viel leichter möglich als in Europa, wo die Alpen nach Süden abschotten und der Nordatlantik und die Nordsee als Wärmepuffer wirken. Das Potsdam Institut brachte den klimatisch veränderten Jet-Stream ins Spiel, der so etwas befeuern soll. Wir erwärmen die Arktis und das rächt sich durch „Outbreaks“. Aber wie ist die Realität ? Werden die outbreaks häufiger?

Forscher  von der Kent Universität zeigen seit 1948: mitnichten (siehe Abbildung 4 hier), keine der in Szene gesetzten Spekulationen von Al Gore oder Herrn Rahmstorf hält einer kritischen Nachprüfung stand. Auch der Anstieg der Temperaturen von 2015-17 wurde gerne von vielen Klimaalarmisten umgedichtet in den Beweis, dass nun (endlich nach 15 Jahren Pause), die anthropogene Klimaerwärmung wieder zuschlägt. Dass die Temperaturen sich mittlerweile auf das Niveau von 2015 zurückentwickelt haben, ist keine Schlagzeile wert. Wir wissen mittlerweile, dass der 2015-2017 El Nino ein Super El Nino war, der die Wärme von etwa 20 Jahren schlagartig freisetzte. Das ist der natürliche Grund warum die Temperaturen der letzten 3 Jahre deutlich anstiegen und nun durch La Nina zurückgehen. Auch hier wurde uns Wetter als Klima verkauft.

Das wäre alles nicht weiter schlimm, wenn nicht die Politik und Medien den Weissagungen der Alarmisten, voran dem Potsdam Institut, auf den Leim gehen würde. Doch Politik und Medien müssen aufpassen. Die Bürger haben mittlerweile ein feines Gespür dafür, wenn Nachrichten einen Spin bekommen oder gar unterdrückt werden oder mit Wetter Propaganda gemacht wird.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Fritz Vahrenholt

 

Auswertung von Wolken über Schifffahrtsrouten gibt Grund zur Hoffnung: Wird die Erwärmungswirkung des CO2 überschätzt?

Sie erinnern sich an den “Aerosoljoker” den wir bereits in unserem Buch ‘Die kalte Sonne’ beschrieben haben. Der Joker wurde zwischenzeitlich ein Stück weit enttarnt. Das Hamburger Max-Planck-Institut sowie die überwiegende Mehrheit der weltweiten Schwebstoffteilchenexperten erklärten dem Jokerkonzept eine klare Absage. Ein Ausgleich übersteigerter CO2-Erwärmungsraten durch kühlende Aersole ist unwahrscheinlich. Im Juli 2017 fasste Frank Bosse im Blog Climate Etc. die neuen Entwicklungen zusammen. Ganz bitter kommt es jetzt für die Modelle, die plötzlich komplett überhitzt dastehen und eigentlich die CO2-Klimasensitivität enorm zurückfahren müssten. Aber ist dies politisch überhaupt möglich?

Am 28. Dezember 2017 kam dann der nächste Paukenschlag. Eine Forschergruppe um Velle Toll publizierte in den Geophysical Research Letters eine Analyse zu Wolkenbildung über Schiffsrouten, bei dem das Zusammenspiel mit den Abgaspartikeln einen guten Hinweis auf die Klimawirkung von Aerosolen gibt. Das Fazit geht in die selbe Richtung wie zuvor: Der Aerosol-Joker funktioniert nicht. Die zusammenphantasierte starke CO2-Erwärmung kann nicht durch Aerosole abgepuffert werden. Damit gibt es jetzt ein Riesenproblem beim Realitätscheck. Laut Modell sollte es auf der Erde schon viel heißer sein, was aber nicht der Fall ist. Die Klimamodelle stimmen so nicht. Dem einen oder anderen Alarmisten hat dies sicher schon schlaflose Nächte bereitet. Wie lange noch, bis der Klimaalarm vollends auffliegt? Hier der Abstract der Studie von Velle et al. 2017:

Volcano and Ship Tracks Indicate Excessive Aerosol-Induced Cloud Water Increases in a Climate Model
Aerosol-cloud interaction is the most uncertain mechanism of anthropogenic radiative forcing of Earth’s climate, and aerosol-induced cloud water changes are particularly poorly constrained in climate models. By combining satellite retrievals of volcano and ship tracks in stratocumulus clouds, we compile a unique observational data set and confirm that liquid water path (LWP) responses to aerosols are bidirectional, and on average the increases in LWP are closely compensated by the decreases. Moreover, the meteorological parameters controlling the LWP responses are strikingly similar between the volcano and ship tracks. In stark contrast to observations, there are substantial unidirectional increases in LWP in the Hadley Centre climate model, because the model accounts only for the decreased precipitation efficiency and not for the enhanced entrainment drying. If the LWP increases in the model were compensated by the decreases as the observations suggest, its indirect aerosol radiative forcing in stratocumulus regions would decrease by 45%.

Und hier noch die Zusammenfassung in der vereinfachten Form:

It remains unclear how much of the global warming induced by greenhouse gases is offset by aerosols because the effect of aerosol particles on clouds is the most uncertain mechanism of forcing of Earth’s climate by human activities. Cloud water responses to aerosols are especially uncertain. Here we compare the properties of low marine clouds impacted by volcanic and ship emissions with the properties of the nearby unpolluted clouds in order to increase the understanding of aerosol impacts on clouds. Clouds impacted by emissions from volcanoes and ships lose or gain water depending on meteorological conditions, but on average the amount of water does not change much in the polluted clouds. These observations disagree with the systematic increases in cloud water in response to aerosols simulated by the Hadley Centre climate model. This model, like other contemporary climate models, only accounts for cloud water increases that result from decreased precipitation efficiency and does not account for the enhanced drying in polluted clouds. Our results suggest that the ability of aerosols to offset global warming might be overestimated. The observational constraints derived here on aerosol-induced cloud water changes would ultimately translate into reduced uncertainties in projections of the future climate.

Auch Scott et al. 2018 fanden, dass die Aerosolmodelle noch viel zu einfach gestrickt sind. Samset et al. 2018 sorgen sich unterdessen, dass die Säuberung der Atmosphäre von den industriellen Sünden des 20. Jahrhunderts zu einer enormen globalen Erwärmung führen könnte, die viel stärker ausfällt als durch CO2. Oder irren sie sich, weil sie noch immer eine viel zu hohe Kühlwirkung annehmen?

 

Aus Satellitendaten ist keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs während der vergangenen 25 Jahre erkennbar

Was macht eigentlich der globale Meeresspiegel? Lange nichts mehr von ihm gehört. Erste Anlaufstelle ist Climate4You, wo man die aktuellen Klimadaten schön aufbereitet findet. Seltsamerweise reichen die Daten des Newsletter Dezember 2017 aber nur bis 2016 zurück, seltsam. Daher schauen wir bei der Originalquelle, der University of Colorado. Wieder dasselbe, die Daten hören Ende 2016 auf. Was ist mit 2017?

Die Satellitendaten durchlaufen eine Reihe von Bearbeitungsschritten, bevor sie in Anstiegsraten von Millimeter pro Jahr übersetzt werden können. Im April 2017 erschien eine Studie in den Geophysical Research Letters, bei der die Korrekturen neu justiert wurden. Dabei zeigte sich, dass die Anstiegsrate seit 1993 im Durchschnitt nicht bei knapp 3,3 mm/Jahr lag, sondern nur bei 3,0 mm/Jahr. Das war für die Alarmisten natürlich nicht schön. Umso bizarrer ist eine Schlagzeile in Nature zur Studie, die daraus etwas ganz anderes macht:

Satellite snafu masked true sea-level rise for decades
Revised tallies confirm that the rate of sea-level rise is accelerating as the Earth warms and ice sheets thaw.

Man vertuscht kurzerhand die insgesamt erniedrigte Anstiegsrate und pickt sich die ungleiche Verteilung des Anstiegs im Zeitraum heraus. Dabei werden alle natürlichen Variabilitäten durch Ozeanzyklen ignoriert. In Wirklichkeit ist aber von einer gesteigerten Anstiegsrate keine Spur zu finden, wie Willis Eschenbach auf WUWT vorrechnet. Das bestätigt auch eine NASA Studie aus dem November 2017 im Journal of Geophysical Research (Beckley et al. 2017):

On the “Cal-Mode” Correction to TOPEX Satellite Altimetry and Its Effect on the Global Mean Sea Level Time Series
Comparison of satellite altimetry against a high-quality network of tide gauges suggests that sea-surface heights from the TOPEX altimeter may be biased by ±5 mm, in an approximate piecewise linear, or U-shaped, drift. This has been previously reported in at least two other studies. The bias is probably caused by use of an internal calibration-mode range correction, included in the TOPEX “net instrument” correction, which is suspect owing to changes in the altimeter’s point target response. Removal of this correction appears to mitigate most of the drift problem. In addition, a new time series based on retracking the TOPEX waveforms, again without the calibration-mode correction, also reduces the drift aside for a clear problem during the first 2 years. With revision, the TOPEX measurements, combined with successor Jason altimeter measurements, show global mean sea level rising fairly steadily throughout most of 24 year time period, with rates around 3 mm/yr, although higher over the last few years.

Wie bereits beim Erwärmungshiatus, schießen nun die Ideen ins Kraut, weshalb sich der Meeressiegelanstieg nicht beschleunigt. In einer Pressemitteilung der National Science Foundation müssen jetzt sogar schon Vulkanausbrüche dafür herhalten, den Meeresspiegel aufgehalten zu haben… Auf die Idee, dass hier Ozeanzyklen eine Rolle spielen, kommen die NSF-Forscher offenbar nicht.

Bei all diesen Eingriffen in die Satelliten-Daten, muss man sich nicht wundern, dass das Vertrauen in die Satellitenmessungen zum Meeresspiegel leidet. So schlägt Mörner (2017) vor, die satellitenbasierten Meeresspieglmessungen hinten an zu stellen und wieder verstärkt auf Küstenpegelmessungen zu setzen, die im Übrigen deutlich verringerte Raten von nur 1,5-2 mm/Jahr anzeigen. Ein klassischer Fall, wo harte Fakten ignoriert, und mathematische Berechnungen präferiert werden.

Auch für die Zukunft könnte es gar nicht so schlecht aussehen, wie oftmals befürchtet. Denn Wissenschaftler gehen von einer Verstärkung des Schneefalls in der Antarktis aus, die große Mengen an Wasser in der südlichen Polkappe binden wird, was den Meeresspiegelanstieg verlangsamt. Der politische Klimaalarm ist das eine, verlässliche Planung das andere. Judith Curry verließ vor wenigen Jahren die Wissenschaft, um Firmen und Behörden im Bereich des Klimawandels zu beraten. Bei ihr haben sich jetzt etliche Kunden gemeldet und sie beauftragt, eine seriöse Analyse des bisherigen Meeresspiegelanstiegs abzugeben, und zudem eine Prognose für die Zukunft zu wagen.

In einem separaten zweiten Teil fasst Curry ihre bisherigen Erkenntnisse zusammen:

The geological record for sea level rise provides important context for recent sea level rise. However, the uncertainties in the geological sea level  record are substantial, associated with sparse sampling, uncertainties in the proxy methods and uncertainties in the analysis methods. Is the 20th century sea level rise unusual? Sea level was apparently higher at the time of the Holocene Climate Optimum (~ 5 ka), at least in some regions. I have not seen an overall assessment of this, but there have recently been numerous publications providing local evidence for higher sea levels during this period. Whether or not sea level was higher during the Medieval Warm Period than current levels remains uncertain, and there is substantial disagreement among different reconstructions on the sea level during the MWP, with the Grinsted et al finding substantially higher sea level values during the MWP (around 1150 AD). Kopp et al. find the 20th century rate of sea level rise to be the highest in the last 27 centuries. However, since their data is barely resolved at 100 year time scales (with decimeter vertical resolution), I would not place  high confidence in their conclusion. Eyeball examination of Grinsted et al.’s Figure 7 shows possibly higher rate of sea level rise between ~1000 and 1100 AD. Overall, I find Kopp et al.’s analysis to be more convincing (apart from overconfidence in the relative rate of 20th century sea level rise). The pace of interesting and important paleo sea level rise research seems to have accelerated since publication of the AR5, I will be following this closely.

 

Klimawandel: Italienische Restaurants bieten nur noch Pizza Drei Jahreszeiten an

Anna Veronika Wendland am 22. Januar 2018 auf achgut.com:

Klima-Orthorexie oder: Spaghetti mit CO2-frei
Der Ausdruck „Orthorexia nervosa“, so informiert uns die Wikipedia, „ist der vorgeschlagene Name für das Krankheitsbild einer Essstörung, bei der die übermäßige Beschäftigung mit der Qualität der Lebensmittel aufgrund selbst auferlegter Regeln zu psychischen oder physischen Beeinträchtigungen führt.“ Die Frage, ob man dieses Verhältnis eines – früher hätte man gesagt, schrulligen – Individuums zu seinem Essen überhaupt pathologisieren sollte, ist in der Fachliteratur hoch umstritten. Zumal wir es hier offensichtlich mit einem öffentlichen Diskurs zu tun haben, der durch staatliche Subventionen und Subventiönchen am Laufen gehalten wird und nebenbei eine Menge junger smarter „Wir-nennen-es-Arbeit“-Fuzzis in Lohn und Brot bringt. Kann also krank sein, wer einfach macht, was die Regierung möchte? Die neueste Blüte unseres energetisch-klimatischen Ablasshandels ist die „Klimateller-App“. Diese Internet-Anwendung, die mit staatlichen Fördergeldern erstellt wurde, hilft orthorektischen Planeten-Rettern, festzustellen, wo und wie man klimaschonend speist:

Weiterlesen auf achgut.com

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Der Postillon am 13. Januar 2018:

Klimawandel: Italienische Restaurants bieten nur noch Pizza Drei Jahreszeiten an
Wer derzeit beim Italiener in die Speisekarte blickt, könnte im ersten Augenblick denken, er sieht nicht recht. Denn inzwischen bieten immer mehr Restaurants anstelle der beliebten Pizza Quattro Stagioni nur noch Pizza Tre Stagioni an. Schuld ist offenbar der Klimawandel.

Weizerlesen im Postillon

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Kennen Sie schon die Klimazeitmaschine der NASA? Dort kann man Karten mit Anomalien zum Meeresspiegel, Temperaturen und Meereis jahresgenau anschauen.

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Großes Klimadrama in der FAZ am 22. Januar 2018. Zwei Mathematikerinnen reisen auf einem Forschungsschiff in die Antarktis. Was ist daran besonders? Hat es das nicht scho tausendfach gegeben? Rechnet es sich am Südpol besser als am heimischen Schreibtisch? Lesen Sie selbst:

Wir sind einem der möglicherweise größten Dramen der Menschheitsgeschichte auf der Spur: das ewige Eis ist in Bewegung, es verliert an Masse, und das lässt in der Zukunft den Meeresspiegel steigen. Im Extremfall um viele Meter weltweit.

Einfach herrlich. Das Antarktis-Inlandeis wächst derzeit und in den letzten 100 Jahren ist kein statistisch signifikanter Temperaturtrend erkennbar. Trotzdem schlagen die beiden PIK-Forscherinnen Klimaalarm. Emotionen statt Fakten, eine fragwürdige Strategie.

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New York verklagt Ölfirmen wegen des Klimawandels. Zeit Online am 11. Januar 2018:

New York verklagt Ölkonzerne
Die US-Metropole wirft BP, Shell und weiteren Firmen vor, die Öffentlichkeit aus Gier über die Folgen des Klimawandels getäuscht zu haben. Dafür sollen sie nun zahlen.

Weiterlesen auf Zeit Online

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Klimaforscher machen auf der Welle der Klimaangst großes Geld. Forschungsförderung, Arbeitsgruppen, Karrieren, öffentliche Auftritte: Das alles funktioniert vor allem, wenn der Klimawandel richtig gefährlich erscheint. Natürlich weisen Klimalarmisten diese Anschuldigungen weit von sich, wie sollte es auch anders sein. Silke Schilling am 16. Januar 2018 auf spektrum.de:

Klimawandel: Handeln Klimaforscher aus finanziellem Kalkül?
Der Unterstellung, Klimawissenschaftler würden aus finanziellem Eigeninteresse handeln, hat ideologische Gründe.

Der Artikel ist im Prinzip ohne nennenswerten Inhalt. Unklar ist, weshalb spektrum.de ihn überhaupt bringt. Ziemlich enttäuschend.

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Transform Magazin am 10. Januar 2018:

Klimawandel – Warum uns das Weltuntergangsgerede nicht weiterbringt
Klimawandel. Wenn man davon hört, ist der Tenor schnell klar: Apokalypse, Desaster, Welteruntergang. Eigentlich haben wir gar keine Chance, den Klimawandel aufzuhalten und die Menschheit vor der größten Katastrophe überhaupt zu bewahren. Doch genau hier liegt das Problem: Solange wir es nicht schaffen, diese Herausforderung als Chance zu sehen und Hoffnung anstelle von Verzweiflung treten zu lassen, so lange wird sich auch nicht wirklich etwas ändern. Ein Plädoyer für mehr Zukunftsoptimismus im Kampf gegen den Klimawandel.

Weiterlesen im Transform Magazin

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Sammlung von Klimazitaten auf Alfred Brandenbergers Webseite. Cartoons und weitere Aussagen zum Klimawandel hier.

 

Deutsche Naturgefahrenbilanz 2017 fällt mit 2 Milliarden Euro Versicherungsleistung erneut unterdurchschnittlich aus

Vor einigen Jahren machten Versicherungen ungeniert Werbung für ihre Produkte, indem sie in der Bevölkerung Angst vor Extrenwetter schürten. Die Medien stellten sich nur allzugerne als Partner zur Verfügung, da bekanntlich vor allem schlechte Nachrichten Quote bringen. In der Folge gab es Kritik. Handelt es sich nicht eigentlich um einen klassischen Interessenskonflikt? Versicherungen legen Studien zum Extremwetter vor, die dann die Leute zum Abschluss neuer Policen ermuntern sollen? In den letzten Jahren wurde es etwas leiser. Das Geschäftsmodell war enttarnt, man musste seine Akquisestrategie ändern.

Ein zusätzliches Problem für die Versicherungen war wohl, dass die Schäden durch Naturkatastrophen in den Vorjahren dramatisch eingebrochen sind (siehe hier, hier, hier). Wie sollte man seine potentiellen Klienten in Angst halten, wenn die Schäden rückläufig waren? Nun hat es also endlich geklappt. “Endlich” gab es 2017 wieder eine neue Rekordschadenssumme zu berichten. Bayerischer Rundfunk am 4. Januar 2018:

Rekordschäden durch Naturkatastrophen 2017
Die Branche muss aufgrund zahlreicher Naturkatastrophen Rekordsummen ausbezahlen. Das zeigt der entsprechende Jahresbericht des weltweit größten Rückversicherers, der Munich Re. 2017 war demnach das bisher teuerste Naturkatastrophenjahr für die Branche. Die Versicherungsbranche hat ein teures Jahr hinter sich. Sie muss umgerechnet mehr als 112 Milliarden Euro für Schäden durch Naturkatastrophen aufbringen, soviel wie noch nie. Das ist allerdings nur die Summe für Schäden, die durch Versicherungen gedeckt sind. Die Gesamtschäden waren im vergangenen Jahr deutlich höher, sie beliefen sich auf umgerechnet 275 Milliarden Euro (330 Milliarden Dollar). Dabei sah es bis zur Jahresmitte eigentlich noch relativ ruhig aus, doch dann wurden die USA und die Karibik gleich von drei mächtigen Wirbelstürmen heimgesucht.

Weiterlesen beim Bayerischen Rundfunk

Drei Wirbelstürme trieben die Kosten in die Höhe. Trotzdem bewegt sich die Wirbelsturmaktivität noch voll und ganz im Bereich der natürlichen Schwankungsbreite. Am Ende des BR-Beitrags wird noch auf gestiegene Versicherungsprämien in den Gefahrengebieten verwiesen. Da klackern die Dollars in der Kasse. Was aber in der Zusammenfassung fehlt, ist die Diskussion der gestiegenen Versicherungswerte. Wie hat sich die Anzahl der Verträge verändert? Ist die Zahl der Versicherten gestiegen? Dann wäre eine Zunahme der Schadenssumme nur logisch. Ein unbequemer Punkt, der an dieser Stelle vom BR verschwiegen wird. Das hat vermutlich gute Gründe, denn Roger Pielke Jr. fand heraus, dass der Anstieg der globalen Extremwetterversicherungsschäden fast vollständig auf sozioökonomischen Gründen basiert.

Die Versicherungsindustrie will sich trotzdem gerne als Klimawandelopfer präsentieren, formuliert daher bewusst nebulös. Taz vom 4.1.2018:

Der weltgrößte Rückversicherer [Munich Re] sieht in den Naturkatastrophendaten zwar keinen Beweis, aber doch starke Indizien für die Auswirkungen des Klimawandels. 

Wenn man die Schäden durch das Bruttoszialprodukt normiert, löst sich der neue Rekord schnell in Luft auf, wie Roger Pielke Jr. nachrechnete. Insgesamt ist der normierte Schadenstrend während der vergangenen knapp 30 Jahre sogar rückläufig.

 

In der Überschrift des taz-Artikels wird den deutschen Lesern ein schöner Schrecken eingejagt:

Auch in Deutschland häufen sich die Klimaschäden.

Im Artikel selber lesen wir dann aber etwas ganz anderes:

In Deutschland waren Naturereignisse wie Stürme, Hagel und Starkregen 2017 für unterdurchschnittliche Schäden von 2 Milliarden Euro verantwortlich. Dies hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ausgerechnet. Laut GDV wüteten im vergangenen Jahr nur wenige, regional begrenzte Unwetter.

Wie bitte? Das wollen wir genauer wissen und schauen uns die Originalpressemitteilung des GDV vom 27. Dezember 2017 an:

Naturgefahrenbilanz 2017:
Versicherer leisten 2 Milliarden Euro für Sturm- und Starkregenschäden

Im Jahr 2017 haben Naturereignisse wie Stürme, Hagel und Starkregen in Deutschland versicherte Sachschäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe- und Industriebetrieben von 2 Milliarden Euro verursacht. Allein auf die Unwetterserie zwischen Ende Juni und Anfang Juli mit „Paul“ und „Rasmund“ entfallen Sachschäden von rund 300 Millionen Euro. Die Starkregenschäden in Berlin und Brandenburg schlagen mit 60 Millionen Euro zu Buche. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jetzt veröffentlicht hat. Nicht darin enthalten sind Schäden an Kraftfahrzeugen, da diese Zahlen noch nicht vorliegen.

Wie bereits im Jahr 2016 fällt die Naturgefahrenbilanz 2017 mit erneut 2 Milliarden Euro Versicherungsleistung unterdurchschnittlich aus: Es wüteten nur wenige, regional begrenzte Unwetter. Schon diese Wetterlagen können hohe Schäden verursachen; große Naturkatastrophen blieben 2017 allerdings aus.

200 Liter Regen je Quadratmeter in 24 Stunden

„Regionale Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen innerhalb kürzester Zeit sind inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr“, sagt GDV-Präsident Wolfgang Weiler. Allein in Berlin und Brandenburg waren Ende Juni innerhalb von 24 Stunden über 200 Liter Regen auf einen Quadratmeter gefallen. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es im Schnitt im ganzen Jahr knapp 800 Liter pro Quadratmeter. „Die Folgen von Starkregen können jeden treffen“, so Weiler. „Erst nach solchen Unwetter wird vielen klar, dass ihr Versicherungsschutz nicht ausreicht“.

Naturgefahren richtig versichern

Durch eine erweiterte Naturgefahrenversicherung, die als Zusatzbaustein zur Wohngebäude- und Hausratversicherung abgeschlossen werden kann, sind Überschwemmungsschäden abgedeckt. Für 99 Prozent der Gebäude in Deutschland ist der Abschluss einer solchen Police problemlos möglich. Dennoch haben sich bundesweit bislang nur etwa 40 Prozent der Hausbesitzer für diesen Vollkaskoschutz für ihr Haus entschieden.

Der Werbeblock am Ende war wohl unvermeidlich. Zur Pressemitteilung gehören aber auch die beiden folgenden informativen Graphiken:

 

Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich PDO heiß’

Immer wieder werden Eisbären von Klimaaktivisten für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiert. Im Faktencheck zeigen Susan Crockford und andere regelmäßig, dass dabei oft die wissenschaftliche Wahrheit auf der Strecke bleibt. Der Drang der Aktivisten nach Aufrüttelung der Öffentlichkeit ist groß, die wissenschaftlichen Fähigkeiten aber offenbar begrenzt. Der letzte Schlagabtausch zwischen den Eisbärlagern fand im November und Dezember 2017 statt. Eine Aktivistengruppe um Jeffrey Harvey (darunter auch Hockeystick Michael E. Mann) veröffentlichte in BioScience ein fragwürdiges Paper:

Internet Blogs, Polar Bears, and Climate-Change Denial by Proxy
Increasing surface temperatures, Arctic sea-ice loss, and other evidence of anthropogenic global warming (AGW) are acknowledged by every major scientific organization in the world. However, there is a wide gap between this broad scientific consensus and public opinion. Internet blogs have strongly contributed to this consensus gap by fomenting misunderstandings of AGW causes and consequences. Polar bears (Ursus maritimus) have become a “poster species” for AGW, making them a target of those denying AGW evidence. Here, focusing on Arctic sea ice and polar bears, we show that blogs that deny or downplay AGW disregard the overwhelming scientific evidence of Arctic sea-ice loss and polar bear vulnerability. By denying the impacts of AGW on polar bears, bloggers aim to cast doubt on other established ecological consequences of AGW, aggravating the consensus gap. To counter misinformation and reduce this gap, scientists should directly engage the public in the media and blogosphere.

Leugner in bösen Klimablogs verhindern die Schaffung eines Konsensus in der klimatischen Eisbärfrage. Die Autoren versuchen dies mit statistischen Rechenkünsten zu beweisen. Der ehemalige IPCC-Leitautor Richard Tol hat die Studie analysiert und kommt zu einem alarmieren Ergebnis: Ziemlicher Murks. Aktivisten-Schall-und-Rauch in Verkleidung eines akademischen Papers. Ncht mehr lange bis Karneval. Hier Tols Schlussfolgerung auf WUWT:

In sum, Harvey et al. (2017) play a statistical game of smoke and mirrors. They validate their data, collected by an unclear process, by comparing it to data of unknown provenance. They artificially inflate the dimensionality of their data only to reduce that dimensionality using a principal component analysis. They pretend their results are two dimensional where there is only one dimension. They suggest that there are many nuanced positions where there are only a few stark ones – at least, in their data. On a topic as complex as this, there are of course many nuanced positions; the jitter applied conceals the poor quality of Harvey’s data. They show that there is disagreement on the vulnerability of polar bears to climate change, but offer no new evidence who is right or wrong – apart from a fallacious argument from authority, with a “majority view” taken from an unrepresentative sample. Once the substandard statistical application to poor data is removed, what remains is a not-so-veiled attempt at a colleague’s reputation.

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Die Sommertemperaturen in den USA nahmen einen unerwarteten Verlauf in den letzten 90 Jahren. In den 1930ern waren die Sommer ziemlich heiß, zum Teil sogar heißer als heute (Abb. 1). Dazwischen sackten die Temperaturen jahrzehntelang ab.

Abbildung 1: Temperaturentwicklung in den USA während der Sommermonate. Quelle: NOAA.

 

Die Ähnlichkeit im Verlauf mit dem PDO-Ozeanzyklus ist frappierend (Abb. 2).

Abb. 2: Verlauf des PDO-Ozeanzyklus. Graphik: Von Giorgiogp2 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13297650

 

Extrapoliert man den Zyklus in die Zukunft, kann man schon ahnen, was als nächstes kommt: Die Sommer in den USA werden wieder kälter werden. Soweit so gut. Aber haben das auch alle verstanden? Ein Paper von Alter et al. 2017 kommt zu einem interessanten Schluss: Die Sommertemperaturen in den USA hatten im letzten Jahrhundert wenig mit dem CO2 zu tun. Ok, das kann man ja erahnen, wenn man sich den zyklischen Temperaturverlauf anschaut. Aber die Autoren behaupten weiterhin, dass auch die natürliche Variabilität (also die Ozeanzyklen) kaum Einfluss auf die Temperaturen hatte. Stattdessen glauben Alter und Kollegen ganz fest daran, dass die Intensivierung der Landwirtschaft die Abkühlung von den 1930er bis 90er Jahren zu verantworten hätte. Kurios. Hier der Abstract der Studie:

20th-century regional climate change in the central United States attributed to agricultural intensification
Both land-use changes and greenhouse gas (GHG) emissions have significantly modified regional climate over the last century. In the central United States, for example, observational data indicate that rainfall increased, surface air temperature decreased, and surface humidity increased during the summer over the course of the 20th century concurrently with increases in both agricultural production and global GHG emissions. However, the relative contributions of each of these forcings to the observed regional changes remain unclear. Results of both regional climate model simulations and observational analyses suggest that much of the observed rainfall increase – as well as the decrease in temperature and increase in humidity – is attributable to agricultural intensification in the central United States, with natural variability and GHG emissions playing secondary roles. Thus, we conclude that 20th-century land-use changes contributed more to forcing observed regional climate change during the summer in the central United States than increasing GHG emissions.

Irgendetwas scheint in den Modellen noch zu fehlen…