Das seltsame Doppelleben der Energiewende

Der Unternehmens- und Politikberater Björn Peters denkt mit. Auf der Webseite des Deutschen Arbeitgeberverbandes beleuchtete er am 5. Juni 2017 das Pariser Klimaabkommens und den Ausstieg der USA, ohne sich vom medialen Gruppendenken ablenken zu lassen:

Am vergangenen Donnerstag verkündete Donald Trump, dass sich die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zurückziehen werden. Nachdem sich Politiker und Journalisten einhellig darin überschlagen haben, den Schritt zu verurteilen, muss hier eine Stimme der Vernunft erhoben werden. Weder ist das Pariser Klimaabkommen ein Fortschritt für Mensch und Planet, noch ist es der beste Weg, um eine Defossilisierung des Energieverbrauchs zu bewirken.  Dass im Jahr 500 von Luthers Reformation auch mit Unterstützung der Kirchen ein wirkungsloser Ablasshandel eingeführt werden soll, nimmt zudem Wunder.

Als Ende 2015 das Pariser Klimaabkommen abgeschlossen wurde, jubelten Politiker und Medienvertreter lautstark, doch warum eigentlich?  Das Klimaabkommen, wenn es komplett erfüllt wird, reduziert auch nach den Daten des Weltklimarats die Erdtemperaturen bis zum Jahr 2100 nur um 0,05°C, wie Bjørn Lomborg vorgerechnet hat.  Es ist also weitgehend wirkungslos.  Gleichzeitig hat Lomborg auch errechnet, dass es zu weltweiten Kosten von ein bis zwei Billionen (!) US-Dollar führen wird – jährlich.  Ein Teil dieser Kosten sind den politischen Maßnahmen der Staaten geschuldet, die hohe Subventionen beschlossen haben für Technologien, die eigentlich schon marktreif sind wie Wind- und Solarenergie.  Oder sie finanzieren den Einsatz von Technologien, die noch Jahrzehnte fern sind von der Marktreife wie beispielsweise Stromspeicher und Elektromobilität, anstatt für einen Bruchteil der Kosten deren Erforschung zu fördern.

Ein anderer Teil dieser Kosten sind für Transferzahlungen an ärmere Staaten vorgesehen, die im Wesentlichen den Lebensstandard der dortigen Regierungsvertreter erhöhen, aber kein einziges der wahren Probleme lösen werden, die diese Staaten drückt:  Wasserverschwendung, massive Umweltverschmutzung, selbstgemachte Dürren durch Überweidung, unzureichende Schutzmaßnahmen vor Naturkatastrophen, unzureichende Gesundheitssysteme, Analphabetismus, Korruption, Rechtlosigkeit, Unfreiheit, Aberglauben.  Dass mit den Transferzahlungen eine Art Ablasshandel eingeführt wird und die Kirchen das auch noch bejubeln, verwundert im Jubiläumsjahr der Lutherschen Reformation. Während mit dem Geld damals aber wenigstens die Sixtinische Kapelle und der Petersdom gebaut wurden, verpuffen die Zahlungen im 21. Jahrhundert in korrupten Taschen der lokalen Eliten ohne Mehrwert für die Bevölkerung.

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Ein Blick auf die erhofften Resultate des Pariser Abkommens bringen Ernüchterung:

 

Abbildung: Das Pariser Klimaabkommen könnte bei voller Durchführung eine Erwärmung von 17 hundertstel Grad bewirken. Quelle: Björn Lomborg -Impact of Current Climate Proposals DOI: 10.1111/1758-5899.12295

 

Die Berechnung wurde von Björn Lomborg bereits im November 2015 im Fachblatt Global Policy veröffentlicht:

Impact of Current Climate Proposals
This article investigates the temperature reduction impact of major climate policy proposals implemented by 2030, using the standard MAGICC climate model. Even optimistically assuming that promised emission cuts are maintained throughout the century, the impacts are generally small. The impact of the US Clean Power Plan (USCPP) is a reduction in temperature rise by 0.013°C by 2100. The full US promise for the COP21 climate conference in Paris, its so-called Intended Nationally Determined Contribution (INDC) will reduce temperature rise by 0.031°C. The EU 20-20 policy has an impact of 0.026°C, the EU INDC 0.053°C, and China INDC 0.048°C. All climate policies by the US, China, the EU and the rest of the world, implemented from the early 2000s to 2030 and sustained through the century will likely reduce global temperature rise about 0.17°C in 2100. These impact estimates are robust to different calibrations of climate sensitivity, carbon cycling and different climate scenarios. Current climate policy promises will do little to stabilize the climate and their impact will be undetectable for many decades.

Trump-Rede zum US-Ausstieg aus dem Pariser Abkommen:

 

Polen und die Tschechische Republik wollen dem teuren Klimaaktionismus nicht mehr folgen, wie Climate Change News am 29. Mai 2017 meldete:

EU climate laws undermined by Polish and Czech revolt, documents reveal
East European EU states are mounting a behind-the-scenes revolt against the Paris Agreement, blocking key measures needed to deliver the pledge that they signed up to 18 months ago.

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Nach der Party kommt der Kater. Helmut Pöltelt beschrieb am 23. März 2017 das seltsame Doppelleben der Energiewende: Zur Erfolgsgeschichte hochgejubelt, doch mit nüchternem Blick ein teurer, ineffizienter Fehlschlag:

Seit Jahresbeginn ist eine Informationsschrift des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit dem Titel: „Die Energiewende: unsere Erfolgsgeschichte“ im Umlauf. Die Publikation wird auf Anforderung kostenlos verschickt. Sie soll dem Leser suggerieren, wie toll die Energiewende ist. Das Vorwort ist von der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, Juristin und langjährig erprobte Politikerin, ohne sachlich-inhaltlichen Bezug zu Wirtschaft und Energie unterschrieben. Für den Inhalt zeichnet ihr Staatssekretär Rainer Baake verantwortlich. Er war bis zu seiner Berufung ins Ministerium Direktor der „Denkfabrik“ Agora Energiewende und Autor der „12 Thesen zur Energiewende“ vom November 2012, die seither zur verhängnisvollen Richtschnur der Energiepolitik Deutschlands gemacht worden sind. Unsere Energiewende stellt international einen deutschen Sonderweg in der Energiepolitik dar, dem bisher kein anderes Land gefolgt ist. Lediglich die weitere und ständige Erhöhung der Energieeffizienz war, ist und bleibt auch international gültig und ist unumstritten.

Scharfe Kritik an der Informationsschrift übte der Aufsichtsratsvorsitzende des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht. Hambrecht war als einziger Wirtschaftsfachmann Mitglied der von der Bundeskanzlerin berufenen Ethikkommission, die die Energiewende moralisch legitimieren sollte. Er bezichtigte „unsere Erfolgsgeschichte“ der Lobhudelei über sinkende Stromkosten und sichere Versorgung. Damit werden die Bürger an der Nase herumgeführt. Tatsächlich sei die Energiewende ein Riesenmurks. Die Kosten steigen immer weiter und die Versorgungssicherheit ist extrem gefährdet, wenn nach der Kernkraft nun auch noch aus Kohle und Gas ausgestiegen werden soll.

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2. Teil hier

3. Teil hier

Wasserkraft ist grundlastfähig und in Ländern wie Norwegen, Portugal und Ghana eine wichtige Energiequelle. Nun meldeten sich Klimamodellierer zu Wort, dass man wohl die klimatischen Auswirkungen der Stauseen übersehen habe. Die künstlichen Seen fangen nämlich eine große Menge an Kohlenstoff ein, der zum Teil wieder als Methan an die Atmosphäre abgegeben wird. Im Griff hat man die Bilanzen jedoch noch nicht, gab die University of Waterloo am 17. Mai 2017 per Pressemitteilung bekannt:

Dams are major driver of global environmental change

Water reservoirs created by damming rivers could have significant impacts on the world’s carbon cycle and climate system that aren’t being accounted for, a new study concludes.

The study, conducted by researchers at the University of Waterloo and the Université libre de Bruxelles,  appears in Nature Communications. If found that man-made dam reservoirs trap nearly one-fifth of the organic carbon moving from land to ocean via the world’s rivers. While they can act as a significant source or sink for carbon dioxide, reservoirs are poorly represented in current climate change models. “Dams don’t just have local environmental impacts. It’s clear they play a key role in the global carbon cycle and therefore the Earth’s climate,” said Philippe Van Cappellen, a Canada Excellence Research Chair in Ecohydrology at Waterloo and the study’s co-author. “For more accurate climate predictions, we need to better understand the impact of reservoirs.”

There are currently in excess of 70,000 large dams worldwide. With the continuing construction of new dams, more than 90 per cent of the world’s rivers will be fragmented by at least one dam within the next 15 years. The study’s researchers used a novel method to determine what happens to organic carbon traveling down rivers and were able to capture the impact of more than 70 per cent of the world’s man-made reservoirs by volume. Their model links known physical parameters such as water flow and reservoir size with processes that determine the fate of organic carbon in impounded rivers. “With the model used in this study, we can better quantify and predict how dams affect carbon exchanges on a global scale,” said Van Cappellen, a professor in Waterloo’s Department of Earth and Environmental Sciences.

In similar recent studies, the group of researchers also found that ongoing dam construction impedes the transport of nutrients such as phosphorus, nitrogen and silicon through river networks. The changes in nutrient flow have global impacts on the quality of water delivered to wetlands, lakes, floodplains and coastal marine areas downstream. “We’re essentially increasing the number of artificial lakes every time we build a dam,” said Taylor Maavara, lead author and a PhD student at Waterloo. “This changes the flow of water and the materials it carries, including nutrients and carbon.”

 

Batagaika-Krater als Klimawandelschaden? 2:0 für Murton et al. gegen WELT-N24 und das Alfred-Wegener-Institut

Von Uli Weber

Am 3. März 2017 meldete Anna Kröning auf WELT-N24:

„Tor zur Unterwelt“ frisst sich unaufhörlich durch die Taiga
Ein Krater breitet sich in der russischen Taiga aus. Umweltexperten sprechen von einer tickenden Klimabombe, denn der Abgrund wächst und wächst – und verursacht Schäden. Nicht nur in der Landschaft…“

Weiterlesen auf welt.de

Also schaunmerunsmal auf Google Maps die Örtlichkeit näher an:

Screenshot von Google Maps: Satellitenaufnahme vom Batagaika-Krater

 

In dem WELT-N24 Artikel wird immerhin der Hinweis gegeben, Zitat:

„Der kaulquappenförmige Batagaika-Krater tat sich auf, nachdem im gleichnamigen Gebiet zu Beginn der 1960er-Jahre Waldparzellen abgeholzt wurden. Dies setzte einen Prozess in Gang,  […] Geomorphologen bezeichnen diesen Landformungsprozess als Thermokarst.“

Wenn man sich mit diesem Stichwort dann einmal im Internet auf die Suche begibt, findet man sehr schnell die entsprechenden Erklärungen für ein bekanntes geologisches Phänomen in der Arktis, Zitat von GeoDZ.com:

Das jährliche Auftauen des Auftaubodens verursacht keinen Thermokarst. Das Abschmelzen von Bodeneis kann durch Klimawandel, Zerstörung von isolierender Vegetation durch Feuer, Tiere oder anthropogene Eingriffe sowie durch andere Störungen des thermischen Gleichgewichts verursacht werden, z.B. auch durch fließendes Wasser.“

Dort wird auch in einer Prinzipskizze das Entstehen von Thermokarst dargestellt:

Entstehung von Thermokarst, Abbildung von: http://www.geodz.com/deu/d/Thermokarst

 

Bei einer Betrachtung der Umgebung des Megaslumps mit diesen Informationen werden auf dem Google-Satellitenbild einige Merkmale besonders auffällig:

Screenshot von  Google Maps

 

Wenn man nämlich einmal den „Schwanz der Kaulquappe“ auf dem rot markierten Ausschnitt weiterverfolgt (Abbildung unten), endet genau dort ein Fluss. Dieser Fluss war offenbar früher weiter in Richtung auf die Jana geflossen, die trockenen Mäander und ein paar Seen im weiteren Verlauf nach Nordwesten sind noch sichtbar. Und es sieht so aus, als hätte sich dieses Flussende auf der hellen Fläche in der Vergangenheit immer weiter flussaufwärts (also nach Südosten) zurückverlagert (unten ist der rote Ausschnitt von oben dargestellt):

Screenshot von Google Maps

 

Aus der im WELT-N24 Artikel zitierten originären wissenschaftlichen Veröffentlichung „Preliminary paleoenvironmental analysis of permafrost deposits at Batagaika megaslump, Yana Uplands, northeast Siberia“, von Murton et al. geht hervor (Site Description), dass der Megaslump auf einem mit etwa 3 Grad Neigung nach Südwesten einfallenden Hang zur Überflutungsebene des  Batagay Flusses liegt, einem rechtsseitigen Nebenfluss der Yana. Dieser Hang wird von verschiedenen Abflussrinnen zerschnitten, von denen sich eine zum Batagaika-Megaslump entwickelt hat.

Unter Einbeziehung der obigen Prinzipskizze von GeoDZ .com scheint es sich hier um eine menschengemachte Umweltkatastrophe größeren Ausmaßes zu handeln, das „Abholzen von Waldparzellen“ wurde im WELT-Artikel ja auch kurz angerissen. Offenbar hat in Folge einer flussnahen Abholzung im Bereich des trockengefallenen Flussbetts eine nachfolgende Thermokarstbildung dazu geführt, dass dieser Zufluss des Batagay Flusses seinen Lauf in den beschriebenen Thermoslump verlegt hat. Dieser Thermoslump mag vorher nur eine von vielen Abflussrinnen auf diesem Abhang gewesen sein, wie sie Murton et al. in ihrer „Site Description“ erwähnen. Der primäre Verursacher für den Megaslump ist also der Mensch und die ausführende Kraft ist fließendes Wasser. Warum wird dann aber in dem WELT-N24 Artikel eine menschengemachte Umweltkatastrophe als menschengemachter Klimawandel verkauft?

Murton und seine 18 Co-Autoren sind jedenfalls wegen erwiesener Unschuld freizusprechen. Auf mögliche Bezüge zum vorgeblich menschengemachten Klimawandel oder irgendeinen imaginären Klimaalarm ist das Forscherteam um Murton nämlich in ihrer Veröffentlichung gar nicht eingegangen. Murton et al. beschreiben vielmehr in streng wissenschaftlicher Weise die aus diesem Batagaika-Aufschluss ableitbare Klimageschichte der vergangenen Eis- und Warmzeiten. Für den Klimaalarm im WELT-N24 Artikel zu den spektakulären Aufnahmen vom sibirischen Megaslump müssen vielmehr andere Wissenschaftler herhalten, die dort dann auf Kosten von Murton et al. ihre Klimapanik ausleben dürfen, Zitat aus dem WELT-N24 Artikel:

Einige Wissenschaftler glauben, dass die neuzeitlichen Krater auf Klimaveränderungen zurückgehen, die vom Menschen verursacht wurden. Forscher des Alfred-Wegener-Instituts in Potsdam weisen darauf hin, dass sich der Permafrostboden in den vergangenen 20 Jahren in einer Tiefe von 20 Metern um etwa zwei Grad Celsius erwärmt hat.“

Und weiter unten heißt es im WELT-N24 Artikel dann, Zitat:

Davor warnt der Geowissenschaftler Frank Günther vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam, der die Region seit vielen Jahren mit Satellitenbildern erfasst und aufzeichnet. Günther hält die Zukunft des Permafrost in Sibirien für sehr gefährdet, berichtet BBC: ‚Es gibt keinen Hinweis darauf, dass dieser Krater sich irgendwann mal wieder schließen könnte. Er wächst immer weiter. Jahr für Jahr.‘“

Es steht also 2:0 für Murton et al. gegen Anna Kröning@WELT-N24 und das Alfred-Wegener-Institut.

 

Modelle zur Eisentwicklung in der Westantarktis unterscheiden sich um den Faktor 10: Bleibt der Eiskollaps vielleicht sogar aus?

Immer wieder versuchen einzelne Klimaforscher die Westantarktis als Auslöser einer zukünftige Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs darzustellen. Nüchternere Kollegen müssen dann regelmäßig dementieren (siehe z.B. “Unumkehrbare Eisschmelze in der Westantarktis? Geologen widersprechen: Schon immer hat das Eis die Wende hinbekommen“). Was ist faul an den dramatisierenden Modellen? Fakt ist, dass der Schneefall in der Westantarktis sogar zugenommen hat (siehe z.B. hier). Im Januar 2016 wurde der Trend noch einmal in Eos bestätigt und mit der Intensivierung des Tiefdruckgebiets der Amundsensee erklärt:

Climate Change Drives Increasing Snowfall in Western Antarctica
Using ice core records from West Antarctica, researchers look back at the past 300 years of snowfall over the Amundsen Sea. [...] The researchers found that average annual snowfall at Ferrigno and Bryan Coast was relatively constant before 1900. After 1900, snowfall rates began to increase. Between 2000 and 2009, snowfall jumped by 27% at Ferrigno and by 31% at Bryan Coast compared to baseline values calculated from 1712 to 1899. The researchers found that these results correlated with ice core records elsewhere on the continent. The authors also tied the results to the behavior of the Amundsen Sea Low, which is strongly influenced by even bigger climate actors like the Southern Annular Mode and the El Niño–Southern Oscillation. These phenomena influence regional sea surface temperature, atmospheric circulation, and sea level pressure. Changes in sea level pressure generate changes in snowfall and drive meridional winds that bring moist air up onto the Ellsworth coast, causing ocean upwelling and melting of the West Antarctic ice shelves. [...]

Ganzen Artikel in Eos lesen.

Hier die dazugehörige Pressemitteilung der American Geophysical Union vom 4. November 2015:

West Antarctic coastal snow accumulation rose 30 percent during 20th century, new study finds

Annual snow accumulation on West Antarctica’s coastal ice sheet increased dramatically during the 20th century, according to a new study published in the American Geophysical Union journal Geophysical Research Letters.

The research gives scientists new insight into Antarctica’s blanket of ice. Understanding how the ice sheet grows and shrinks over time enhances scientists’ understanding of the processes that impact global sea levels, according to the study’s authors. The new study used ice cores to estimate annual snow accumulation from 1712 to 2010 along West Antarctica’s coast. Until 1899, annual snow accumulation remained steady, averaging 33 and 40 centimeters (13 and 16 inches) of water, or melted snow, each year at two locations.

Annual snow accumulation increased in the early 20th century, rising 30 percent between 1900 and 2010, according to the new study. The study’s authors found that in the last 30 years of the study, the ice sheet gained nearly 5 meters (16 feet) more water than it did during the first 30 years of the studied time period. “Since the record is 300 years long, we can see that the amount of snow that has been accumulating in this region since the 1990s is the highest we have seen in the last 300 years.  The 20th century increases look unusual,” said Elizabeth Thomas, a paleoclimatologist with the British Antarctic Survey in Cambridge, United Kingdom, and lead author of the new study. Thomas attributes the higher annual snow accumulation over the last 30 years in part to an intensification of a regional low pressure system and more storms in the region. The study’s authors said these storms could increase with climate change, possibly leading to further increases in snow accumulation.

Snow accumulation builds up the ice sheet, but the extra flakes have not acted as a life raft for West Antarctica’s ice sheet, which previous research has found is rapidly thinning as the climate warms, Thomas said. The size of the ice sheet depends on how much new snow accumulates and how much of the existing ice melts, she said. Knowledge about how much new snow is laid down in West Antarctica each year could help scientists more accurately predict how the region’s coastal ice sheet could be affected by climate change and its contribution to sea level rise, Thomas said. “In this region, the same [storms] that have driven increased snowfall inland have brought warmer ocean currents into contact with West Antarctic’s ice shelves, resulting in rapid thinning,” said Thomas. “Thus the increased snowfall we report here has not led to thickening of the ice sheet, but is in fact another symptom of the changes that are driving contemporary ice sheet loss.”

Ice on West Antarctica’s coast

Earth has two ice sheets – one in the Arctic, covering Greenland, and one sitting on Antarctica. Ice sheets start their lives as snowflakes. When snowfall builds up year after year, the weight of the snow compresses the bottom layers into ice, creating an ice sheet. Scientists can calculate snow accumulation from satellite data, but satellite records have only existed since 1979. That’s too short a time period to determine whether any changes in snowfall are the result of natural variation or shifts in the climate, Thomas said. “We need to understand whether we are losing ice, at what rate, and what is causing it,” she said. For the new study, researchers collected two ice cores from Ellsworth Land, the strip of land that connects the Antarctic Peninsula to the rest of the continent. The ice cores contain layer upon layer of ice – the remnants of yearly snowfall. By measuring the thickness of the ice laid down each year, the researchers estimated annual snow accumulation for the past 300 years. The recent heavy snow accrual appears to be part of a gradual, long-term rise in annual snow accumulation that started in the early 1900s and accelerated in the 1980s, the study found. The study’s authors found that starting in the early 20th century an additional 1.5 centimeters (0.6 inches) of water, or melted snow, was added to the ice sheet each decade. From 2001 to 2010, the amount of water added to the ice sheet each year was 15 centimeters (6 inches) greater than it was before 1900, according to the study’s authors.

A stormy sea

The study’s authors attribute the rise in snow accumulation in part to increased regional storm activity. The Amundsen Sea, which bounds Ellsworth Land to the west, is prone to storms and low pressure systems that often sit over the region, Thomas said. Meteorological data, which only date back 35 years, show the low pressure system has strengthened during that time, leading to more storms swirling around the Amundsen Sea and potentially greater snow accumulation, according to the paper. The uptick in snow accumulation since the 1920s may suggest an even longer trend of increasing storms, Thomas said. Scientists have not pinpointed the reason for the strengthening of the low pressure system in the Amundsen Sea, but the number and intensity of storms in the region could continue to increase throughout the 21st century as a consequence of greenhouse gas warming, Thomas said. In a warmer climate, air travelling south from the mid-latitudes and tropics can hold more water, leading to more snowfall, Thomas said.

The paper draws a convincing connection between the intensification of the Amundsen Sea low-pressure system and increasing snow accumulation, said David Bromwich, a polar weather and climate scientist with the Byrd Polar and Climate Research Center at Ohio State University in Columbus, who was not an author on the new paper. The low-pressure system is likely one of several factors contributing to the increase in snowfall, he said. Antarctic climate results from a complex mix of oceanic and atmospheric circulation patterns, so there could also be other components affecting the amount of snow accumulation in the region, Bromwich said. As the paper suggests, one could be the evaporation of surface waters that have become exposed because of sea ice loss in the region, he added.

Wie sieht es nun mit der Vorhersagekraft der Modelle zum westantarktischen Eiskollaps aus? Kommen sie alle auf ungefähr das gleiche Ergebnis, bestätigen sich also somit gegenseitig? Leider weit gefehlt. Christina Hulbe offenbarte die Misere Anfang Juni 2017 im angesehenen Fachblatt Science: Die Modellergebnisse unterscheiden sich um den Faktor 10. Bei dieser enormen Unsicherheit ist es schwer, hieraus politische Schlussfolgerungen ziehen zu wollen. Insbesondere ist es problematisch, wenn gewisse Institute die extremen Modelle ausgiebig in der Presse ausbreiten, jedoch dabei verschweigen, dass es sich um extreme Szenarien handelt, die von anderen Modellen nicht bestätigt werden. Hier der Abstract:

Is ice sheet collapse in West Antarctica unstoppable?
Forty years ago, Mercer raised an alarm by connecting climate warming with collapse of the West Antarctic Ice Sheet (WAIS) and substantial sea level rise in both the past and future (1). Since then, observations have proliferated, yielding improved understanding of ice sheet processes and making clear that the WAIS is highly vulnerable to future climate change (2). Yet, despite this progress, projections of the future rate of change can vary by a factor of 10 for the same climate warming scenario, producing different time scales for collapse; whether the model ice sheets collapse depends on the level of warming (3, 4). Better understanding of the different model outcomes can help to inform how we set greenhouse gas emissions goals and plan for future sea level rise.

Falls sich die gemäßigten Modelle bestätigen sollten, wird der Kollaps des westantarktischen Eisschildes möglicherweise sogar ausbleiben, schreibt Christina Hulbe:

Ice sheet models driven by the same future-warming scenario yield different rates of change, depending on how boundary processes are parameterized. Yet, the models agree on one thing: When driven with environmental variables from mid-range and high-end global warming scenarios, all predict collapse of the WAIS. At the higher end, marine ice sectors of the East Antarctic Ice Sheet also retreat. However, when the climate forcing follows a lowerend scenario (11), retreat is limited (3, 4). In this case, once the melting stops, the rate of retreat declines and grounding lines stabilize.

 

 

Die gute Nachricht: Eis der Ostantarktis ist und bleibt stabil

Klimaalarm im März 2015 im Focus:

Klima-Erwärmung
Gigantischer Antarktis-Gletscher schmilzt – Holland in Not: Meeresspiegel droht um drei Meter zu steigen

Vor der Ost-Antarktis haben Forscher zwei unterseeische Täler entdeckt. Sie ermöglichen den Zufluss von warmem Meerwasser unter den größten Gletscher der Ostantarktis. Das könnte dessen ungewöhnlich raschen Eisverlust erklären. Kollabierte der Gletscher endgültig, würde der Meeresspiegel dramatisch ansteigen.

  • Der größte Gletscher der Ost-Antarktis schmilzt extrem rasch.
  • Kollabiert der Gletscher könnte der Meeresspiegel weltweit um 3,3 Meter steigen.
  • Abschwächung der Starkwinde führt zu mehr Hitze-Extremen.

Könnte, würde: Der Konjunktiv ist König. Steht es wirklich so schlimm um den Totten Gletscher? Wir haben uns bereits damals bemüht, den Sachverhalt zu beleuchten (“Antarktischer Totten-Gletscher schrumpft: Ursache könnte die Zunahme des Meereises sein“). Im Mai 2016 kommentierte auch Rud Istvan auf Climate Etc. den besagten Gletscher und ein alarmierendes Nature-Paper von Aitken et al. 2016. Sein Fazit:

The alarming estimates from this new Nature paper, particularly as represented by the media, are grievously wrong both with respect to the amount of and the rate of sea level rise that might be associated with melting of the EIAS Totten glacier. There is unjustified author spin in the press releases and author’s interviews. There are underlying bad assumptions never mentioned except by reference to a previously refuted [here] bad paper by Rignot. A tangled web of deceit, to paraphrase a famous poem.

Vielleicht sollte man auch nicht versuchen, die Welt anhand eines Gletschers erklären zu wollen, so groß die Verlockung auch sein mag. Am 5. Mai 2017 erinnerte die University of Bristol daran, dass das ostantarktische Eis im letzten Jahrzehnt insgesamt gewachsen und nicht etwa geschrumpft ist.  Die Uni verpackt das Ganze natürlich politisch korrekt in die Aussage “nicht so stark gewachsen wie gedacht”. Hier die Pressemitteilung:

New research shows growth of East Antarctic Ice Sheet was less than previously suggested
Scientists have known for over a decade that the West Antarctic Ice Sheet has been losing mass and contributing to sea level rise. Its eastern neighbour is, however, ten times larger and has the potential to raise global sea level by some 50 metres. Despite its huge size and importance, conflicting results have been published on the recent behaviour of the East Antarctic Ice Sheet. A study led by a group of NASA scientists, that was published in 2015, suggested that this part of Antarctica was gaining so much mass that it compensated for the losses in the west. Determining what the largest ice sheet on the planet is doing is vital for our understanding of the factors that are influencing present day, and future, sea level rise.

To address this question, a team of scientists led by the University of Bristol and including the University of Wollongong, Australia have studied the problem by combining different satellite observations within a statistical model that is able to separate the processes related to ice mass changes over the continent. Professor Jonathan Bamber from the Bristol Glaciology Centre which is part of the School of Geographical Sciences, said: “We used similar data sets to the NASA team but added other satellite data from a mission called the Gravity Recovery And Climate Experiment (GRACE) to help solve for mass gains and losses. “We then conducted different experiments, using similar assumptions made in the NASA study but found that in every experiment, mass loss from the west always exceeded gains in the east.” The researchers concluded that over the study period, 2003-2013, Antarctica, as a whole, has been contributing to sea level rise and that the gains in East Antarctica were around three times smaller than suggested in the 2015 study.

Paper: ‘Constraining the mass balance of East Antarctica’ by A. Martin-Espanol, J. Bamber and A. Zammit-Mangion in Geophysical Research Letters. Plain language summary available at: http://www.globalmass.eu/constraining-the-mass-balance-of-east-antarctica/

Weitere Studien aus der Ostantarktis erhärten den Trend zu mehr Eis. Ein Team um Morgane Philippe veröffentlichte 2016 in The Cryosphere eine Arbeit zum Küstenstreifen des Dronning Maud Land. Das Resultat steht bereits im Titel: Eiszuwachs im 20. Jahrhundert:

Ice core evidence for a 20th century increase in surface mass balance in coastal Dronning Maud Land, East Antarctica
Ice cores provide temporal records of surface mass balance (SMB). Coastal areas of Antarctica have relatively high and variable SMB, but are under-represented in records spanning more than 100 years. Here we present SMB reconstruction from a 120 m-long ice core drilled in 2012 on the Derwael Ice Rise, coastal Dronning Maud Land, East Antarctica. Water stable isotope (δ18O and δD) stratigraphy is supplemented by discontinuous major ion profiles and continuous electrical conductivity measurements. The base of the ice core is dated to AD 1759 ± 16, providing a climate proxy for the past  ∼ 250 years. The core’s annual layer thickness history is combined with its gravimetric density profile to reconstruct the site’s SMB history, corrected for the influence of ice deformation. The mean SMB for the core’s entire history is 0.47 ± 0.02 m water equivalent (w.e.) a−1. The time series of reconstructed annual SMB shows high variability, but a general increase beginning in the 20th century. This increase is particularly marked during the last 50 years (1962–2011), which yields mean SMB of 0.61 ± 0.01 m w.e. a−1. This trend is compared with other reported SMB data in Antarctica, generally showing a high spatial variability. Output of the fully coupled Community Earth System Model (CESM) suggests that, although atmospheric circulation is the main factor influencing SMB, variability in sea surface temperatures and sea ice cover in the precipitation source region also explain part of the variability in SMB. Local snow redistribution can also influence interannual variability but is unlikely to influence long-term trends significantly. This is the first record from a coastal ice core in East Antarctica to show an increase in SMB beginning in the early 20th century and particularly marked during the last 50 years.

Die Stabilität des Eises im Dronning Maud Land bekräftigt auch eine Arbeit von Vikram Goel und Kollegen, die Ende Mai 2017 in The Cryosphere als Diskussion erschien:

Glaciological settings and recent mass balance of the Blåskimen Island in Dronning Maud Land, Antarctica
The Dronning Maud Land coast in East Antarctica has numerous ice rises that very likely control the dynamics and mass balance of this region. However, only a few of these ice rises have been investigated in detail. Here, we report field measurements of Blåskimen Island, an isle-type ice rise adjacent to the Fimbul Ice Shelf. Blåskimen Island is largely dome shaped, with a pronounced ridge extending to the southwest from its summit (410 m a.s.l.). Its bed is mostly flat and about 100 m below the current sea level. Shallow radar-detected isochrones dated with a firn core reveal that the surface mass balance is higher on the southeastern slope than the northwestern slope by ~ 37 %, and this pattern has persisted for at least the past decade. Radar stratigraphy shows upward arches underneath the summit, indicating that the summit position has been stable over at least one characteristic time of this ice rise (~ 600 years). Ensemble estimates of the mass balance using the input-output method show that this ice rise has thickened by 0.07–0.35 m ice equivalent per year over the past decade.

Am 16. Juni 2017 kam dann noch eine Publikation von Pittard et al. in den Geophysical Research Letters dazu, die in die gleiche Richtung geht. Die Autoren prognostizieren, dass das Lambert-Amery glacial system in der Ostantarktis auch in den kommenden 500 Jahren stabil bleiben wird und möglicherweise sogar noch an Masse zulegt.

Future sea level change from Antarctica’s Lambert-Amery glacial system
Future global mean sea level (GMSL) change is dependent on the complex response of the Antarctic Ice Sheet to ongoing changes and feedbacks in the climate system. The Lambert-Amery glacial system has been observed to be stable over the recent period yet is potentially at risk of rapid grounding line retreat and ice discharge given a significant volume of its ice is grounded below sea level, making its future contribution to GMSL uncertain. Using a regional ice sheet model of the Lambert-Amery system, we find that under a range of future warming and extreme scenarios, the simulated grounding line remains stable and does not trigger rapid mass loss from grounding line retreat. This allows for increased future accumulation to exceed the mass loss from ice dynamical changes. We suggest the Lambert-Amery glacial system will remain stable, or gain ice mass and mitigate a portion of potential future sea level rise over the next 500 years, with a range of +3.6 to -117.5 mm GMSL-equivalent.

 

Kalte Sonne in der Osnabrücker Zeitung

Interessante Geschichte in der FAZ vom 1. Juni 2017:

Und es vererbt sich doch
Neue Experimente zeigen, dass Tiere epigenetisch gespeicherte Umweltanpassungen vererben. Gilt ähnliches auch für den Menschen, werden wir alle umdenken müssen.

Sie gehört zu den umstrittensten Behauptungen der Biologie: die Aussage, dass Tiere mehr vererben als ihre Gene, dass sie also zusammen mit ihren Ei- und Samenzellen auch solche Umweltanpassungen an folgende Generationen weitergeben, die sie im Laufe des Lebens erworben haben. Übertragen auf uns Menschen, würde das zum Beispiel bedeuten, dass die Art, wie wir uns ernähren, oder die Menge an psychischen Belastungen, die wir aushalten mussten, dazu beitragen, was und wie viel unsere Kinder und womöglich sogar unsere Enkel zeitlebens essen und wie anfällig sie für Stresskrankheiten sind.

Weiterlesen in der FAZ

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Die Entwicklung der Frosttage ist offenbar weniger stark an den anthropogenen Klimawandel gekoppelt als gedacht. Pressemitteilung der University of Utah vom 23. Mai 2017:

Weather patterns’ influence on frost timing

Air circulation affects frost more than global warming — for now

Gardeners know the frustration of a false spring. Coaxed outside by warm weather, some people plant their gardens in the spring only to see a sudden late frost strike at the plants with a killer freezer burn. Grumbling green thumbs, along with farmers and water supply managers, would benefit from more accurate predictions of the first and last frosts of the season. Such timing is in flux, however. The frost-free season in North America is approximately 10 days longer now than it was a century ago. In a new study, published today in Nature Communications, researchers from the University of Utah and the U.S. Geological Survey parse the factors contributing to the timing of frost in the United States. Atmospheric circulation patterns, they found, were the dominant influence on frost timing, although the trend of globally warming temperatures played a part as well. “The frost-free season has been lengthening over the past century, and now we understand the changes in atmospheric circulation that are extremely strong in frost timing, even stronger than global warming,” says University of Utah atmospheric sciences professor Court Strong.

Weather and climate are complex systems, with many factors affecting what the particular weather conditions might be in a certain place at a certain time. Previous research, says Gregory McCabe, of the USGS in Denver has focused on the role of large-scale phenomena like El Niño. “I don’t think anyone has broken it down to look at the circulations patterns specific to the timing of frost,” McCabe says. Strong and McCabe set out to investigate the relative contributions of the global warming trend and local atmospheric circulation patterns to the century-long lengthening of the frost-free season.

“If you ask a U.S. forecaster what determines the first fall frost, they’ll say a cold air mass coming down out of Canada, clearly due to circulation,” Strong says. “There’s a role for warming, but on the other hand forecasters will tell you there’s clearly a role for circulation as well.” To more accurately capture regional, relatively small-scale circulation patterns, Strong and McCabe divided the United States into four regions, and examined separately how frost timing patterns varied in each region over 93 years of weather data.

The researchers found that atmospheric circulation patterns accounted for between 25 and 48 percent of the variation in frost timing. To put that in context, Strong says, remember that the frost-free season has lengthened by an average of 10 days over the past century. Three to five of those days can be accounted for by atmospheric circulation, while three days can be chalked up to global warming. Other factors, such as local cloud cover, may account for the remaining two to four days. Although the results show that atmospheric circulation is the primary driver of frost timing, the warming trend exerts an influence over circulation beyond the general trend of warming temperatures. “We also found evidence that these circulation patterns themselves have been altered by global warming, especially in the Western U.S. and the Northwest,” Strong says. “Warming is an important part of this narrative despite this finding that circulation is a stronger driver historically.”

Next, Strong and McCabe will evaluate how well climate models capture the drivers of frost timing and look for ways the models can be improved. Better modeling of atmospheric patterns leads to more accurate forecast of future frost timing. “The year-to year variability in climate is controlled by these changes in atmospheric circulation,” McCabe says. “On top of that you have the warming trend. If you don’t get these patterns right then the simulations are going to have a lot of uncertainty in them.” This study was partially funded by a grant from the National Science Foundation (the iUTAH project; award EPS-1208732).  Find the full study here.

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Wir verstehen uns hier auch als Diskussionplatform. Ein Leser hat einen Essay zum Treibhauseffekt erstellt, den er zur Diskussion stellen möchte. Titel:

The Greenhouse Effect – Does it even exist?

Sie können das pdf hier anschauen.

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Osnabrücker Zeitung am 1. Juni 2017:

Deutsche Klimawandel-Skeptiker springen Trump zur Seite

Im Artikel werden wir dann wie folgt beschrieben:

Als einer der bekanntesten deutschen Klimaskeptiker gilt Fritz Vahrenholt. Der ehemalige RWE-Manager und SPD-Politiker hat 2012 gemeinsam mit dem Geologen Sebastian Lüning das Buch „Die kalte Sonne – Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“ veröffentlicht. Die Kernthese des Buchs lautet, dass nicht der Mensch und Kohlenstoffdioxid entscheidend zur globalen Erwärmung geführt hätten, sondern vor allem Änderungen der Meeresströmungen und der Sonnenaktivität. In der Beschreibung des Buchinhalts heißt es auf seiner Homepage: „Selbst bei steigenden CO2-Emissionen wird die Erwärmung in diesem Jahrhundert 2 Grad Celsius nicht überschreiten. Die Erwärmungswirkung von CO2 ist überschätzt worden. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass Ozeanzyklen und die Sonne, die kürzlich in eine längerfristige strahlungsarme Phase getreten ist, einen größeren Beitrag zum Klimageschehen leisten als bisher angenommen.“

Volontär Yannick Richter hat zwar verstanden, dass wir die natürlichen Klimatreiber Sonne und Ozean zu wenig beachtet finden. Allerdings hat er offenbar übersehen, dass wir dem CO2 eine Erwärmungswirkung zuordnen, die am unteren Rand der offiziell vom IPCC genannten Spanne liegt. Zitat aus unserem Buch, Seite 32:

Wir sind weit davon entfernt, zu behaupten, dass CO2 keinen Einfluss auf das heutige Klimageschehen hätte. Jedoch können wir zeigen, dass mindestens die Hälfte der Erwärmung der letzten vierzig Jahre dem Einfluss der Sonne sowie zyklischen ozeanischen Oszillationen der Weltmeere geschuldet ist. CO2 könnte für die andere Hälfte der Erwärmung verantwortlich sein, möglicherweise ist der Anteil aber sogar noch geringer.

 

Schnell mal im Selbstversuch die Welt retten

Von Uli Weber

Als ich vor mehr als 35 Jahren noch regelmäßig die „Computerwoche“ las, träumten dort alle von „künstlicher Intelligenz“. Heute haben unsere PCs mehr Rechenkapazität als ein damaliger Supercomputer, aber die einzige real existierende künstliche Intelligenz, die einem im Alltag schon mal begegnen kann, sind Wikipedia und die eigenwillige Sprachführung auf irgendeiner telefonischen Kundenhotline… Und jetzt überschlagen sich Automobilindustrie, Politik und Medien in Schwärmereien über eine schönere neue automobile Zukunft mit einem selbstfahrenden und wieder aufladbaren Elektroauto zur Rettung des „Weltklimas“. Wollen tatsächlich alle Verbraucher ein solches Auto? Nein, ganz bestimmt nicht alle, ich will es jedenfalls nicht!

Foto: Uli Weber

 

Ein moderner Diesel-PKW ohne Zuheizer erreicht heute schon fast den Heizungsstandard eines seligen VW Käfers. Beim E-Auto ist da noch beliebig viel Luft nach unten, denn dort konkurrieren im Winter die Heizung (und im Sommer die Klimaanlage) mit dem Elektroantrieb um die spärlichen Batteriekapazitäten. Vielleicht müssen Sie zur Strafe für winterliche Heizungsexzesse dann ja unterwegs mit Ihrem E-Auto doch mal einen ungeplanten Boxenstop an einer Ladestation einlegen, an der schon eine ganze Schlange von Leidensgenossen wartet. Und dort stellt sich dann ganz nebenbei auch noch die Frage, wie es beim winterlichen Warten auf das Aufladen des Akkus mit klimagerechtem EEG-Strom eigentlich mit der Heizung des Innenraums aussieht. Vielleicht bietet sich dafür ja eine benzinbetriebene Standheizung an – oder ein klimakorrektes Windrad als kostenpflichtiges Fahrzeugzubehör. Sollte der Lagevorgang mit EEG-Strom allerdings während einer winterlichen Dunkelflaute erforderlich werden, dann ist Wintercamping an der Ladestation angesagt; hoffentlich sind die Ladestationen dann entsprechend ausgerüstet. Schnell mal irgendwo hinfahren geht dann jedenfalls gar nicht mehr, Überlandfahrten erfordern vielmehr eine ganz präzise Vorplanung

Wer also nicht selber fahren und sich um gar nichts oder sein Smartphone kümmern möchte, der kann ja immer noch den Bus, die Bahn oder das Taxi nehmen. Bus und Bahn fahren allerdings auf festgelegten Linien und halten nur an bestimmten Haltestellen, und das Taxi ist teuer. Und hier setzt dann der Traum vom selbstfahrenden E-Auto an, denn das ist noch viel teurer.

Was heißt nun eigentlich „selbst fahren“? Naja, das Auto fährt dann von selbst und Sie müssen nur noch aufpassen, dass es alles richtig macht. Sie bleiben nämlich voll für Ihr selbstfahrendes Auto verantwortlich; Sie fahren also nicht mehr selbst, sind aber selbst für das Nichtselbstfahren verantwortlich. Dieses Verantwortlichsein können Sie ja mal ausprobieren, beispielsweise in Bus, Bahn oder Taxi. Dann können Sie dort allerdings auch nicht mehr die Zeitung lesen oder auf Ihrem Smartphone herumspielen, denn Sie müssen ja verantwortlich auf das Selbstfahren aufpassen – und schon ist der ganze schöne „Gefahrenwerden“-Effekt im Eimer.

Beim selbstfahrenden Auto sind Situationserkennung, Entscheidungsfindung und Kommunikation lebenswichtig. Wer bei starkem Regen schon mal durch den Spray eines entgegenkommenden Lastwagens gefahren ist weiß, wie schnell man da orientierungslos werden kann. Die entscheidende Frage ist, ob in einem solchen Fall die Entscheidungsfindung des selbstfahrenden Fahrzeugs funktioniert oder es dann die Verantwortung überstürzt an den gerade anderweitig beschäftigten Fahrer zurückdelegiert. Moderne Autos verfügen je nach Ausstattung bereits heute schon über einige wirklich praktische Helferlein, aber intelligent? Vergessen Sie beispielsweise mal den Abstandstempomaten und biegen Sie, hinter einem LKW fahrend, auf die Autobahnausfahrt ab – es wird beim Abbiegen vollautomatisch genau das Gegenteil von dem passieren, was in dieser Situation angebracht wäre. Bevor das „intelligente“ Helferlein beim Abbiegen wieder „freie Fahrt“ erkennt, muss es also vom Fahrer rechtzeitig abgeschaltet werden…

Es ist also zunächst einmal fraglich, ob wir uns in Zukunft tatsächlich auf selbstfahrende Fahrzeuge verlassen können, die in jeder unübersichtlichen Situation intuitiv vorausschauend Bescheid wissen und insbesondere auch selbständig erkennen können, dass eine Situation überhaupt erst unübersichtlich zu werden droht.
Oder soll hier vielleicht der Kunde einer völlig abgehobenen Automobilindustrie helfen, ein ewiges Beta-Produkt im automobilen Selbst(mord?)versuch permanent an die Wirklichkeit des real existierenden Straßenverkehrs anzupassen, nur um das „Weltklima“ zu retten?  Ach ja, da fällt mir ein, dass die Kommunikation mit Automobilherstellern für den Endkunden ja auch nicht immer ganz barrierefrei ist. Offenbar unterhält man sich dort lieber mit Politikern und Medien, die einen ähnlichen Abstand zu den Lebensrealitäten der Bürgerinnen und Bürgern gewonnen haben und in egoistischer Selbstverwirklichung lieber die ganze Welt retten wollen…

Das selbstfahrende Elektroauto wäre also ein Erlebnis wie ein spannender Hollywood-Thriller: Man sitzt in der ersten Reihe, isst Popcorn und fragt sich in Anlehnung an den Abgasskandal ständig, ob das selbstfahrende Fahrzeug und dessen Programmierer wohl auch wirklich an all das gedacht haben mögen, was da so gerade auf einen zukommt. Und in dieser schönen neuen Auto-nomen Zukunft lässt man sich dann beim buchstäblichen „Gefahrenwerden“ von der Chaostheorie überraschen – ein gewisser Dr. Malcolm aus dem „Jurassic Park“ lässt auch ganz herzlich grüßen.

Ein selbstfahrendes Auto ist also todsicher wahnsinnig spannend, aber ohne spezialisierte Fachkräfte würde ein solcher Selbstversuch wohl nicht so gut ausgehen – dazu müsste man dann zur Sicherheit wohl zusätzlich noch einen eigenen Stuntmen engagieren, der auf das „Gefahrenwerden“ aufpasst. So gesehen könnte die alternative Mobilität also auch noch klimaneutrale Arbeitsplätze schaffen.

Und eine Problemlösung mit einem eigenen Chauffeur dürfte am Ende sicherlich auch sehr erfolgreich funktionieren, man nehme zum Beweis einfach mal ein Taxi. Aber damit können Sie natürlich unser Weltklima nicht retten, denn das hat ja einen Dieselmotor…

 

Konfliktforscherin verwehrt sich gegen simplistische Erklärmuster von Klimawandel und Konflikten

Spannender Artikel von Axel Bojanwoski am 14. Mai 2017 bei Spiegel Online:

Das Geheimnis des roten Sonnenflecks
In Europa scheint die Sonne stärker in den vergangenen Jahren – Messungen der Sonnenstrahlung offenbaren eine rote Zone, die bis nach Deutschland reicht. Was geht vor? [...] Sofort ins Auge springt ein knallroter Fleck über Bayern, Österreich, Nordostitalien und Tschechien [wo die Sonnenstrahlung zugenommen hat]. Doch auch der Großteil des übrigen Europa ist orange oder gelb, nur der Nordosten, Nordwesten und Südosten sind blau – dort ist die Sonnenstrahlung schwächer geworden. Veränderte Bewölkung kann nicht die Ursache sein, denn nur Messdaten unter blauem, wolkenlosem Himmel wurden ausgewertet. Und an der Sonne selbst kann es auch nicht liegen, sie scheint gleichmäßig auf die Erde. [...] Die Zunahme der Sonnenstrahlung sei also Folge geringerer Luftverschmutzung, berichtete Blanka Bartók nun auf der Jahrestagung der European Geosciences Union (EGU) in Wien, wo sie ihre Karte präsentierte.

Ganzen Beitrag auf Spiegel Online lesen.

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Eine Konfliktforscherin der University of Sussex verwehrt sich vehement gegen simplistische Modelle, dass eine Klimaerwärmung automatisch eine Zunahme von Konflikten bedeutet. Die GWPF fasste ihren Vortrag zusammen und zitiert Clionadh Raleigh:

There is a cottage industry that has emerged to promote [the climate conflict relationship] and others very similar to it, and those people and institutions …will find evidence or will…I hesitate to use the word “manipulate”…they will provide evidence as they see fit. There’s plenty of evidence that many of these presumed relationships are nonsense, but they are routinely used by the military or development organisations or by government…”

[...]

…the 150 different militia groups that have emerged in Libya or the 1000 that have emerged within Syria are not doing it because it didn’t rain 10 years ago. That’s not why they’re fighting… It did disturb me, the way [climate] caught on as the main lens through which people wanted to understand violence…especially the narrative about Syria is quite disturbing”

[...]

In very recent years, natural scientists have picked up on [the climate conflict] discussion. I would go so far as to say that their arguments are out and out environmental determinism: temperature goes up, violence goes up. It’s horrific…to imply that about people who are leading very difficult lives…to imply that they are somehow naturally violent is appalling.”

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Alina Schadwinkel wollte am 12. Mai 2017 auf Zeit Online der Klimaskepsis mit Fakten den Boden entziehen. Wir schauen in die Argumente hinein:

Mit Fakten gegen jeden Zweifel
Die globale Erwärmung ist größtenteils menschengemacht, der Klimawandel real. Und das lässt sich auch belegen. Sieben Fakten, die selbst Skeptiker überzeugen sollten.

[...]

Nach derzeitigem Wissen ist aber nur etwa ein Zehntel der heutigen Erderwärmung auf die Sonne zurückzuführen, anderslautende Behauptungen halten einer Prüfung nicht stand (siehe etwa Nature Geoscience: Huber & Knutti, 2011 / Journal of Geophysical Research: Benestad & Schmidt, 2009). Stattdessen sprechen alle Auswertungen dafür: Die aktuelle globale Erwärmung ist zum größten Teil menschengemacht.

Fakt ist aber auch, dass die heutigen Klimamodelle die Warmphasen der letzten 10.000 Jahre nicht korrekt nachvollziehen können. Steht übrigens schwarz auf weiß im letzten IPCC-Bericht. Warum wird dies hier nicht erwähnt? Die Modelle halten eine näheren Prüfung also nicht stand. Was nun?

Bei Punkt 2 geht es um den CO2-Anstieg. Der ist unbestritten. Aber wieviel Erwärmung bringt er? Das Stichwort Klimasensitivität fehlt hier.  Bei Punkt 3 geht es um die Attribution. CO2 steigt an, Temperatur steigt an, also ist der Fall klar: CO2 ist der wichtigste Klimatreiber. Unerwähnt bleibt, dass die Sonne in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine ihrer stärksten Intensitäten der letzten 10.000 Jahre erreicht hat. Nur Zufall? Wenn die Attribution so einfach wäre… Punkt 4: Die Eismassen schmelzen. Stimmt. Aber geschmolzen sind sie immer wieder, z.B. zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode (MWP) vor 1000 Jahren. Weshalb bleibt dies hier unerwähnt? Dann ein bemerkenswerter Absatz:

Fehler und Manipulationen der Vergangenheit haben die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung angekratzt. Zwei Fälle haben für besondere Aufmerksamkeit gesorgt. Erstens die “Hockeyschläger-Kurve”. Die Grafik zeigt eine Rekonstruktion von Temperaturen über die letzten ein- bis zweitausend Jahre. In ihrer ersten Fassung von 1998 hatte sie tatsächlich statistische Schwächen. Doch eine überarbeitete Fassung – und viele andere Berechnungen – bestätigen die Grundaussage: Temperaturdaten lassen darauf schließen, dass es niemals in den vergangenen tausend Jahren so warm war wie heute.

Es ist schön, das die Hockeystick-Fehler endlich eingeräumt werden. Das wurde auch Zeit. Allerdings ist die Schlussfolgerung etwas wackelig. Derzeit ist noch unklar, ob die moderne Wärmeperiode oder MWP die Nase vorne hatte… Eines ist jedoch bereits Konsens: Während des holozänen thermischen Maximums vor 6000 Jahren war es schon einmal für längere Zeit wärmer als heute. Hätte man erwähnen können. Gut dann das Ende:

Sicherlich sind noch zahlreiche Detailfragen zu beantworten. Kein Forscher behauptet, die Klimaveränderungen seien vollkommen verstanden. Im Gegenteil: In der Gedankenwelt der Naturwissenschaft ist eine Erkenntnis nie final, sondern immer ein Zustand in einem Prozess.

 

Klimahysterie gefährdet die Freiheit

Uli Webers Buch “Klimahysterie gefährdet die Freiheit” ist jetzt auch im erschwinglichen schwarz-weiß Paperback-Format erhältlich. Preis: Euro 7,99. ISBN-13: 978-3-7448-3560-2

 

 

Inhalt: 

Katastrophenszenarien haben sich zu den Gelddruckmaschinen der modernen Forschung entwickelt. Der Mainstream der globalen Klimaforschung macht sich gerade zum politischen Gefangenen einer CO2-Apokalypse, und aus Angst vor der prophezeiten Klimakatastrophe setzen wir unsere Marktwirtschaft außer Kraft. Dabei findet diese Klimakatastrophe vorerst nur in unseren Köpfen statt, denn es geht dabei weniger um den aktuellen CO2-Ausstoß der Menschheit, als vielmehr um den befürchteten Anstieg dieser Emissionen in der Zukunft.

Immer und zu jeder Zeit wurden der Menschheit Katastrophen vorhergesagt, insofern ist die Klimakatastrophe eigentlich gar nichts Neues. Neu ist eher, dass sich die Protagonisten dieser Katastrophe nicht mehr alter Weissagungen oder plötzlich auftauchender Kometen bedienen, um ihre Thesen unters Volk zu bringen, sondern grob vereinfachender wissenschaftlicher Modellrechnungen. Solche Berechnungen ergeben aber keine eindeutigen Lösungen, sondern Lösungswolken, deren Größe dramatisch anwächst, je weiter man sie in die Zukunft hochrechnet. Die mediale Darstellung dieser Ergebnisse bleibt dann auf plakative Katastrophenszenarien beschränkt und positive Auswirkungen eines möglichen globalen Temperaturanstiegs, allein schon durch eine Verlängerung der Vegetationszeiten in höheren geographischen Breiten, gehen in der monokausalen Panikmache um unseren anthropogenen CO2-Ausstoß völlig unter.
Die Weltbevölkerung als Ganzes hat riesige Probleme, die sich nicht auf die griffige Formel reduzieren lassen, wenn wir den Ausstoß von CO2 verhindern, wird alles gut! Die CO2-Vermeidung um jeden Preis ist eine Wette unzureichender Computermodelle gegen Mutter Erde. Eine Beschränkung auf unseren CO2-Ausstoß als alleinige Ursache für den Temperaturanstieg seit 1850 lässt die Weltbevölkerung auch in Zukunft völlig ungeschützt gegen alle natürlichen Klimaschwankungen bleiben!

Daher sollten wir das Aufkommen jeglicher Angstgläubigkeit um die vorgebliche Klimakatastrophe vermeiden und unsere begrenzten wirtschaftlichen Mittel in unserer Verantwortung als der besser verdienende Teil der Weltbevölkerung nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll und vorausschauend zum Nutzen aller Menschen auf dieser Erde einsetzen.

 

Grafisches Nudging: Glauben Sie ja nicht immer das, was Sie gerade sehen

Von Uli Weber

Wenn Sie mit irgendwelchen Grafiken von angeblichen wissenschaftlichen Tatsachen überzeugt werden sollen, dann ist höchste Vorsicht geboten.

Der versteckte Nullpunkt: Achten Sie einmal auf den Nullpunkt der jeweiligen Grafik. Sollte dieser dort nämlich in einer Ausschnittsvergrößerung gar nicht dargestellt worden sein, könnte es sich bereits um den Versuch einer Einflussnahme handeln, weil Ihnen der absolute Bezugspunkt vorenthalten wird. In diesem Fall überlegen Sie einfach einmal, wo der betreffende Nullpunkt liegen müsste und welche Folgerung sich daraus unter Berücksichtigung des jeweiligen Maßstabs für die dort getroffene Aussage ergibt.

Abbildung: Die globale Durchschnittstemperatur. Autoren: Janacek, Gareth: Practical Time Series, London (Arnold 2001). Von Fernuni Hagen.


Der Autor konnte aktuell kaum noch passende Beispiele für diese Problematik finden, auch die Abbildung oben ist schon älteren Datums. Vielmehr ist man in der Klimaforschung offenbar inzwischen dazu übergegangen, solche Temperaturkurven gleich auf einen relativen Nullpunkt ohne absolute Wertangabe zu beziehen und damit den sehr hilfreichen Bezug des Betrachters auf den tatsächlichen Nullpunkt von O Grad Celsius völlig zu unterbinden:


Abbildung: Globaler Temperaturindex Oberflächentemperaturen Land und See 1880–2016 relativ zum Mittelwert von 1951–1980. Gemeinfrei. By NASA Goddard Institute for Space Studies (http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Neben einem imaginären Mittelwert als absoluten „0“-Punkt hilft der Argumentation natürlich auch ein eingeschränkter Betrachtungszeitraum. In beiden Abbildungen wird also ganz eindeutig ein „menschengemachter“ Temperaturanstieg zwischen 1880 und 2016 dargestellt. Wenn man jetzt aber den zeitlichen Kontext auf einen größeren Zeitraum ausweitet, dreht sich das Ergebnis plötzlich diametral um. Aus der Presseerklärung der Justus-Liebig-Universität Gießen Nr. 156 vom 9. Juli 2012:

Klima in Nord-Europa während der letzten 2.000 Jahre rekonstruiert: Abkühlungstrend erstmalig präzise berechnet… Berechnungen beeinflussen auch die Beurteilung des aktuellen Klimawandels – Gießener Wissenschaftler an Veröffentlichung in „Nature Climate Change“ beteiligt…“

Abbildung der Universität Gießen. Das rote Quadrat auf der rechten Seite bezeichnet etwa den Zeitraum, den die beiden obigen Abbildungen darstellen

 

Zitate aus dieser Pressemitteilung:

Römerzeit und Mittelalter waren wärmer als bisher angenommen: Unter Beteiligung der Justus-Liebig-Universität Gießen hat ein internationales Forschungsteam jetzt eine 2.000-jährige Klimarekonstruktion für Nord-Europa anhand von Baumjahrringen vorgestellt…

„…Im Prinzip erscheint diese Zahl nicht sonderlich beeindruckend‘, sagte Prof. Luterbacher, ‚allerdings ist sie im Vergleich zur globalen Erwärmung, die bis heute auch weniger als 1°C beträgt, nicht zu vernachlässigen. Wir konnten nun zeigen, dass die großräumigen Klimarekonstruktionen, die auch vom internationalen Klimarat ‚IPCC‘ verwendet werden, den langfristigen Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende unterschätzen.“

Es wird grafisch also immer wärmer, während es langfristig eigentlich immer kälter wird…

 

Vergleich von Differenzen: Noch erfolgreicher ist die zielgerichtete Darstellung von Differenzen. Der IPCC gibt den anthropogenen Anteil an der Klimagenese (Radiative Forcing) (50) mit 1,6 W/m² an, während der Beitrag der Sonneneinstrahlung dort nur 0,12 W/m² beträgt:

 

Abbildung: Die Komponenten des atmosphärischen Strahlungsantriebs. (Global average radiative forcing estimates and ranges in 2005 for anthropogenic greenhouse gases and other important agents and mechanisms) Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0). Quelle: Arne Nordmann (norro) – Own drawing, based on Image:600px-Radiative-forcings.svg.png by Leland McInnes. Wikipedia.
All data ist from the IPCC Fourth Assessment Report Summary for Policymakers.…

 

Die Argumentation des IPCC zielt dort auf eine Erklärung für den Temperaturanstieg seit 1750 ab. Der Witz ist nun, dass hier der maximal mögliche menschliche Klimabeitrag durch IR-aktive Gase, die ohne eine Primärquelle gar keinen eigenständigen Temperaturbeitrag liefern können, mit dem Differenzbetrag der vorgeblichen Schwankung der Primärquelle Sonne seit 1750 in Beziehung gesetzt wird, was optisch ein überwältigendes Szenario für einen menschengemachten Klimaeinfluss ergibt.

Wenn man nun aber die tatsächlichen Einflussgrößen auf unser Klima betrachten will, dann muss man hier die tatsächliche Sonneneinstrahlung von 1.367 W/m² in Beziehung setzen, um sich die wirkliche Relation für eine mögliche Klimarelevanz des menschlichen Einflusses vor Augen zu führen. Und da liegt dann der maximal befürchtete (sekundäre) Klimaeinfluss des Menschen bei etwa einem Promille der tatsächlichen Sonneneinstrahlung (nebenstehende Abbildung des Autors).

Der Klimaeinfluss des Menschen ist also gegenüber der Sonneneinstrahlung zu vernachlässigen.

 

Darstellung von Prozentwerten: Es ist in Mode gekommen, bei populärwissenschaftlichen Abbildungen aus der Klimaforschung die Werte der betrachteten Elemente in Prozenten anzugeben. Damit ist es nicht nur möglich geworden, Äpfel und Birnen direkt zu vergleichen, sondern auch spontane Plausibilitätsabschätzungen des Betrachters zu unterbinden. Denn selbst mit der Angabe, auf welche Basis sich die Prozentangabe bezieht, werden die tatsächlichen Zahlenwerte verschleiert und erfordern für das tiefere Verständnis eine Umrechnung, die ein fachfremder Betrachter üblicherweise nicht leisten wird.

 

Abbildung: Energiebillanz der Erde. Gemeinfrei aus Wikipedia. By Christoph S. (original image, freely redrawn by Gissi) [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Und hier wird noch nicht einmal angegeben, welcher Strahlungswert in [W/m²] durch 100% eigentlich repräsentiert wird, also kann man’s auch gar nicht erst zurückrechnen. Oder wären Sie vielleicht auf Anhieb darauf gekommen, dass es sich hierbei um ein Viertel der Solarkonstante von 1.367 [W/m²] handelt?

 

Klimamodelle überschätzen Zunahme der globalen Niederschläge um fast die Hälfte

So langsam setzt sich das Verständnis durch, dass in der Klimamodellierungswelt nicht alles so rosig aussieht wie lange Jahre behauptet. Ein bisschen ist das wie bei der Tour de France, wo man lange seinen Helden zujubelte, bis dann die Dopingwirklichkeit schließlich herauskam. Stehen wir bei den Klimamodellen kurz vor diesem Umschwung und neuem Realismus? Ein lesenswertes Editorial in Nature vom 3. Mai 2017 lässt aufhorchen. Dort wird der Erwämungshiatus klar eingeräumt, eingeordnet und Kommunikationsfehler auf beiden Seiten der Klimadiskussion ausgemacht:

Increased scrutiny of climate-change models should be welcomed
The apparent slowdown in global warming has provided a spur for better understanding of the underlying processes. [...] Some background: the El Niño weather event in 1997 and 1998 belched a great bolus of heat from the ocean into the atmosphere, a release that was entirely consistent with expectations — as was the heady spike in global mean surface temperature that followed. From the top of the Himalayas, the rest of Earth is downhill. And, in a similar way, the 1998 peak in temperature offered an easily visualized time that climate sceptics could cherry-pick as a starting point for a ‘hiatus’, ‘pause’ or ‘slowdown’ in climate change. It’s true (of course) that the next few years saw a reduced rate of warming, or maybe even a slight cooling. And it’s also true that, soon after, some analyses showed that these observations were beginning to diverge from the suite of projections made by climate models. A few responses emerged. First: yawn — “This is nothing more than the sort of normal variability one should expect in the climate system, and models should not be expected to predict any specific dip or peak.” Second: hysteria — “Climate scientists have no idea what controls the climate system.” Third: interesting  — “Let’s figure this out.” Happily, most of the climate-science community adopted the third option. The result was a flood of publications on the topic, and the only half-joking suggestion that Nature’s publisher should launch a new journal called Nature Hiatus.

Weiterlesen in Nature

Bereits im März 2016 hatte Nature das Thema im Programm:

Where climate models fall short
Climate models tend to overestimate the extent to which climate change contributes to weather events such as extreme heat and rain. Omar Bellprat and Francisco Doblas-Reyes at the Catalan Institute of Climate Sciences in Barcelona, Spain, used an idealized statistical model to compare the frequency of weather extremes in simulations with and without climate warming. Extreme events seemed to be more closely linked to climate change when the model was forced to run at low levels of reliability than when the model error was kept to a minimum. To account for models’ biased representation of climate variability, studies should rely on calibrated model ensembles, which are commonly used by weather forecasters, the authors suggest.

Sympathischer Realismus auch in einer Pressemitteilung des Lawrence Livermore National Laboratory vom 10. Dezember 2015. Klimamodelle überschätzen die Zunahme des Niederschlags systematisch um 40%:

Climate models overestimate rainfall increases

Lawrence Livermore researchers and collaborators have found that most climate models overestimate the increase in global precipitation due to climate change. Specifically, the team looked at 25 models and found they underestimate the increase in absorption of sunlight by water vapor as the atmosphere becomes moister, and therefore overestimate increases in global precipitation. The team found global precipitation increase per degree of global warming at the end of the 21st century may be about 40 percent smaller than what the models, on average, currently predict. The research appears in the Dec. 10 edition of the journal Nature.

Evaluation of model-predicted global precipitation change with actual precipitation observations is difficult due to uncertainties arising from many sources, including insufficient spatial and historical data coverage. As an alternative approach, the team, made up of LLNL scientist Mark Zelinka and colleagues from the University of California, Los Angeles, including lead author Anthony DeAngelis, evaluated model-simulated global precipitation change through consideration of the physical processes that govern it.

The team found that the increase in global precipitation simulated by models is strongly controlled by how much additional sunlight is absorbed by water vapor as the planet warms: Models in which more sunlight is absorbed by water vapor tend to have smaller increases in precipitation. They demonstrated that model-to-model differences in increased absorption of sunlight were not controlled by how much their humidity increased, but by how much additional sunlight was trapped in the atmosphere for a given increase in humidity. Conveniently, this quantity can be measured from space, allowing the team to assess how well the models capture the physics controlling changes in global precipitation.

“This comparison with observations allowed us to see quite clearly that most models underestimate the increased absorption of sunlight as water vapor increases,” Zelinka said. “Because this acts as such a strong lever on global precipitation changes, the models are likely overestimating the increase in global precipitation with global warming.” The intensification of the hydrologic cycle is an important dimension of climate change that can have significant impacts on human and natural systems, perhaps more so than rising temperatures alone, according to Zelinka.

Commonly measured by the increase in globally averaged precipitation per degree of surface warming, hydrologic cycle intensification predictions vary substantially across global climate models. “We sought to understand the sources of this uncertainty and use the best available observations to narrow in on the most likely response,” Zelinka said. “We cannot expect to make useful predictions of local water cycle changes that are most relevant for societal impacts if we do not understand and accurately simulate the change in globally averaged precipitation.” The absorption of sunlight by water vapor is vital to understand future global precipitation changes.

Condensational heating by precipitation, absorption of sunlight by water vapor and fluxes from the Earth’s surface all combine to heat the atmosphere, keeping it in energy balance with cooling due to thermal emission up to space and down to the Earth’s surface. As the planet warms and the atmosphere emits more thermal radiation, the heating components also must increase to maintain atmospheric energy balance, and the two that matter most are absorption of sunlight and precipitation. The more heating provided by absorption of sunlight as the planet warms, the less heating is required by precipitation increases. The study notes that more reliable predictions of future precipitation change can be made by improving the representation of how radiation is transmitted through the atmosphere in global climate models. The models that have more sophisticated representations better agree with observations.

Paper: Anthony M. DeAngelis, Xin Qu, Mark D. Zelinka, Alex Hall. An observational radiative constraint on hydrologic cycle intensification. Nature, 2015; 528 (7581): 249 DOI: 10.1038/nature15770

Modellversagen auch bei der Simulation von Lebensräumen. Die Tiere der letzten Eiszeit setzten sich stur über die Vorgaben des Computersimulators hinweg und zeigten in der Realität eine Verbreitung, die gänzlich unerwartet war. Pressemitteilung der University of Oregon aus dem November 2014:

Fossils cast doubt on climate-change projections on habitats

Mammals didn’t play by the rules of modeling on where they migrated to survive last ice age, says UO researcher

Leave it to long-dead short-tailed shrew and flying squirrels to outfox climate-modelers trying to predict future habitats. Evidence from the fossil record shows that gluttonous insect-eating shrew didn’t live where a species distribution technique drawn by biologists put it 20,000 years ago to survive the reach of glaciers, says University of Oregon geologist Edward B. Davis. The shrew is not alone. According to a new study by Davis and colleagues, fossil records of five ancient mammalian species that survived North America’s last glacial period point to weaknesses in the use of ecological niche models and hindcasting to predict future animal and plant habitats. As a result, Davis says, the modeling needs to be fine-tuned for complexities that might be harvested from fossils.

Ecological niches use modern habitat distributions and climate; hindcasting adds predictive power by adding major past climate shifts into the models. That modeling combination — as seen in a 2007 study led by Eric Waltari, then of the American Museum of Natural History in New York — had the short-tailed shrew surviving the last ice age in mostly Texas and the Deep South. Conclusions drawn in other studies, Davis noted in the new study, also are biased toward southern locations for ice-age surviving mammals of the Pleistocene Epoch. Short-tailed shrew, according to fossil records, did not live in the predicted ranges. Instead they lived across north central and northeast United States, closer to the glaciers and where they are widely found today.

“It’s almost as though it is living in all of the places that the model says it shouldn’t be living in and not in any of the places that the model says it should be living in,” said Davis, who also is manager of the paleontological collection at the UO Museum of Natural and Cultural History. “This suggests to me that whatever the model is keying on is not actually important to the shrew.” Nor to the American marten (Martes americana), two species of flying squirrels and the Gapper’s red-backed vole (Myodes gapperi), all of which lived mostly outside of predicted ranges, according to the fossil record. Northern (Glaucomys sabrinus) and southern (Glaucomys volans) flying squirrels, the Davis study found, shared a compressed geographic region. It may be, Davis said, that some species tolerate competition under harsh conditions but separate when abundant resources are available.

Davis noted that an important but under-cited 2010 paper on rodents by Robert Guralnick of the University of Colorado and Peter B. Pearman of the Swiss Federal Research Institute also showed problems with hindcast projections. Those for lowland rodents in the last ice age did not hold up, but those for a higher elevation species did. “Our findings say that we need to pay more attention to the potential problems we have with some of our modern methods, and the way that we can improve our understanding of how species interact with the environment,” said Davis, who added that his study was inspired by Waltari’s. “The way to improve our forecasting is to include data from the fossil record. It can give us more information about the environments that species have lived in and could live in.” The findings appear in the November issue of the journal Ecography. In a special section of the journal, the Davis paper is packaged with four papers on research initially presented in a symposium on conservation paleobiogeography in 2013 at a biennial meeting of the International Biography Society. The Davis paper is co-authored by Jenny L. McGuire, now at Georgia Tech University, and former UO doctoral student John D. Orcutt, who is now at Cornell College in Iowa.

Davis and McGuire co-hosted the symposium, edited the special issue and penned an editorial that accompanies the five papers. Conservation paleobiogeography, Davis said, “is the idea that we can help people understand questions that arise from conservation needs using data from the fossil record.” Doing so, he said, may explain how species shift their ecological roles, or evolve, to survive amid abrupt changes in their habitats. “Our paper raises questions about some of the work on projecting future ranges of mammals, and we suggest some directions forward,” Davis said. “We have concerns about the precision of the modeling techniques now being used. We don’t have any concerns about climate change happening and that it going to cause geographic range shifts for mammals and plants. The thing I want to do, as a scientist, is to have the best models possible so as we’re making informed decisions as a society.”

Paper: Edward Byrd Davis, Jenny L. McGuire, John D. Orcutt. Ecological niche models of mammalian glacial refugia show consistent bias. Ecography, 2014; DOI: 10.1111/ecog.01294