Weltwoche mit unbequemen Fragen an IPCC-Führungskraft Thomas Stocker

Im neuesten Heft der Weltwoche erschien auf den Seiten 36-40 ein äußerst lesenswertes Interview mit Thomas Stocker, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Grundlagenkapitels im kommenden IPCC-Bericht. Dabei brachte die Weltwoche eine Reihe von unbequemen Themen auf den Tisch, wie etwa den seit 17 Jahren anhaltenden Erwärmungsstopp, fehlgeschlagene IPCC-Prognosen oder natürliche klimatische Zyklen. Gesprächsleiter Markus Schär scheute sich nicht, beim Berner Professor  konsequent nachzuhaken, wenn die eigentliche Frage unbeantwortet blieb oder wichtige Aspekte unerwähnt blieben.

Wir werden in den kommenden Tagen die wichtigsten Passagen des Interviews hier im Blog kommentieren.

Hier geht es zum Artikel (für Abonnenten).

Goethe 1828 zu Eckermann: Man muss das Wahre immer wiederholen

Man muss das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns herum immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von Einzelnen, sondern von der Masse, in Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten. Überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohlig und behaglich im Gefühl der Majorität, die stets auf seiner Seite ist.

Johann Wolfgang von Goethe, 1828

 

Stefan Rahmstorf mit Vortrag am Bodensee (15.3.2013)

Am 15.3.2013 hält Stefan Rahmstorf um 20.00 Uhr im Bürgersaal des Rathauses Immenstaad den Vortrag “Friert der Bodensee noch einmal zu? Die Seegfrörne und der Klimawandel”. Im Südkurier gibt es eine ausführliche Ankündigung des Vortrags.

 

Nordatlantische Klimaänderungen hinken den Schwankungen der Sonnenaktivität um mehrere Jahre hinterher

Sonnenskeptiker führen gerne als Argument an, dass die Sonnenaktivität nicht zu allen Zeiten parallel zur Temperaturentwicklung verlaufen ist. Dabei übersehen sie gerne, dass das CO2 genau das gleiche Problem hat. Die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre steigt weiter stetig an, die Temperatur kümmert dies jedoch herzlich wenig – sie stagniert bereits seit 15 Jahren auf einem Plateau. Nein, das Klimasystem ist nicht so simplistisch wie wir es gerne hätten. Und nicht jedes Argument ist ein echtes Argument, auch wenn es professoral mit ernster Miene wie von Akteuren wie Mojib Latif vorgetragen wird (siehe z.B. unseren Blogbeitrag “Extreme Ansichten auf dem Extremwetterkongress: Anti-Sonnen-Beweisführung à la Latif“).

Das Klimageschehen wird durch einen ganzen Strauß von Faktoren beeinflusst. Wenn Ozeanzyklen wie die Pazifisch Dekadische Oszillation (PDO) die Temperaturen zu einer bestimmten Zeit nach unten drücken, können die längerfristig wirkenden Einflüsse von Sonne und CO2 einfach nicht dagegen an. Das muss man einfach akzeptieren. Zudem ist auch ohne Ozeanzyklen eine absolute Synchronität gar nicht zu erwarten. Sie kennen das Beispiel schon: Ein Auto braucht von Null auf hundert auch etliche Sekunden, selbst wenn das Gaspedal von Anfang an voll durchgedrückt ist. Es gibt viele Systeme, die erst einen gewissen Anlauf brauchen, damit der Impuls voll umgesetzt ist und sich eine Art Gleichgewicht bildet. Das Auto beschleunigt die ersten Sekunden bis irgendwann die Stellung des Gaspedals im Gleichgewicht mit der erzielten Geschwindigkeit steht.

Ähnliches gilt auch für das träge Klimasystem, das durch die große Wärmekapazität der Weltozeane oft erst mit Verzögerung auf Impulse von Klimafaktoren reagiert. Dies gilt insbesondere für Sonnenaktivitätsschwankungen. Die letzten 5 Jahrzehnte gehörten zu den solar aktivsten Zeiten der gesamten letzten 11.000 Jahre. Da spielt es zunächst keine Rolle, wann das Maximum der Sonnenaktivität herrschte. Der starke Sonnenimpuls kann sowieso zu Beginn nicht voll in eine Erwärmung umgesetzt werden. Dies kann mitunter einige Jahrzehnte dauern. Und genau so kam es auch in der Realität. Das Sonnenplateau begann um 1960 und dauerte bis 2000 an, wobei die 1970er Jahre einen solaren Rückschlag darstellten, der aber in den 1980er Jahren schnell vergessen war. Das hohe solare Plateau hat neben den Ozeanzyklen und dem CO2 sicher einen gewichtigen Anteil an der starken Erwärmung ab 1977 bis 2000.

Derlei Verzögerungen sind im Klimasystem keine Seltenheit. In den Geophysical Research Letters erschien Ende Januar 2013 eine neue Arbeit eines britisch-japanischen Forscherteams um Adam Scaife vom Met Office Hadley Centre. Ausgangspunkt ihrer Studie war, dass das Klima im nordatlantischen Raum nachweislich von Schwankungen der Sonnenaktivität beeinflusst wurde und wird, wie vorangegangene Studien zeigen konnten. In der Wirkungskette spielt die Arktische Oszillation eine große Rolle. Allerdings wurde ebenfalls an den Daten deutlich, dass das Klima den Sonnenimpulsen erst mit mehrjähriger Verzögerung hinterherhinkte. Scaife und seine Kollegen schlagen in ihrer Arbeit einen Mechanismus vor, der diese Verzögerung nun erklärt. Wichtige Punkte sind hierbei die atmosphärische Zirkulation, Erinnerungs-Effekte des Ozeans gegenüber Wärmeinhaltsänderungen sowie Rückkopplungseffekte, die sie in einem Klimamodell testen. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit im englischen Original:

Variability in solar irradiance has been connected to changes in surface climate in the North Atlantic through both observational and climate modelling studies which suggest a response in the atmospheric circulation that resembles the North Atlantic Oscillation or its hemispheric equivalent the Arctic Oscillation. It has also been noted that this response appears to follow the changes in solar irradiance by a few years, depending on the exact indicator of solar variability. Here we propose and test a mechanism for this lag based on the known impact of atmospheric circulation on the Atlantic Ocean, the extended memory of ocean heat content anomalies, and their subsequent feedback onto the atmosphere. We use results from climate model experiments to develop a simple model for the relationship between solar variability and North Atlantic climate.

 

Abbildung oben rechts: CIA Factbook / public domain

Klima beeinflusst Komponisten: Mehr Sturm in Musik der Kleinen Eiszeit

Irgendwie klingt es logisch: Komponisten lassen sich vom Wetter und Klima beeinflussen. Da sitzt ein Komponist zuhause und muss endlich mal wieder etwas arbeiten. Was könnte er heute bloß komponieren? Da wütet ein heftiger Sturm draußen vor dem Fenster. Eine gute Inspiration für den Herrn Komponisten möchte man meinen, also wird er heute ein aufbrausendes, lautes Stück schreiben.

Die zwei Atmosphärenwissenschaftler Karen Aplin von der Oxford University und Paul Williams von der Reading University wollten diesen Gedanken einmal überprüfen und legten in ihrer Freizeit einen Musikkatalog an, in dem u.a. das Entstehungsjahr und mögliche Wetterbezüge festgehalten wurden. Und in der Tat, das Wetter scheint die Komponisten beeinflusst zu haben. Der Wind scheint es den Musikkünstlern besonders angetan zu haben. Der Katalog ist hier aufrufbar. Die entsprechenden Publikationen sind auf Karen Aplins Webseite verlinkt.

Auch der Berliner Meteorologe Walter Fett hatte sich bereits vor einem Jahrzehnt zu diesm Thema Gedanken gemacht. Zusammen mit zwei Mitstreitern hat er eine Liste mit Werken der klassischen Musik mit Bezug zu meteorologischen Themen erstellt, die hier einzusehen ist. Walter Fett erläutert hierzu:

“Daß meine Liste etwas länger ist, liegt auch an dem häufigeren Vorkommen jahreszeitlicher Bezüge. Erstaunlich aber ist, daß die gemeinsame Schnittmenge der Musiktitel nicht einmal ein Drittel der Gesamtheit ausmacht!  Daran wird die unterschiedliche Wahrnehmung und musikalische Vorliebe der Autoren deutlich! Zusammengenommen käme man auf eine fast doppelt so lange Liste.”

 

Wir wünschen allen Lesern des kalte Sonne Blogs einen guten Rutsch und ein gesundes, frohes neues Jahr. Bleiben Sie skeptisch!

 

Siehe detaillierte Berichte auf Science Daily sowie The Hockey Schtick.
Abbildung oben rechts: Erigena / gemeinfrei

Bayern will den Nordstrom nicht, Mai-Schnee in Schottland und Akademiker auf klimaskeptischen Abwegen – Die Klimanews der Woche

Auf der letzten UN-Klimakonferenz in Durban im Dezember 2011 wurde der sogenannte Green Climate Fund (GCF) operationalisiert, der 2010 in Cancun beschlossen wurde und ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar aus Industrieländern an Klimaprojekte überwiegend in Entwicklungsländern ausschütten soll. 30 Milliarden hiervon sollen hiervon aus der EU kommen. Bereits 2010-2012 hatte sich die EU verpflichtet, mehr als 7 Milliarden Euro in den Fund einzuzahlen, wie Reuters am 7.5.2012 berichtete . Wie es nach 2012 mit den Zahlungen weiter gehen soll, darüber sind sich die EU-Statten allerdings noch nicht einig. Eigentlich wollte man sich nun Stück für Stück dem 30-Milliarden-pro-Jahr-Ziel nähern. Allerdings scheint die EU momentan durch andere Sorgen abgelenkt zu sein, so dass dieser Plan ernsthaft gefährdet ist.  

Obwohl sich in den USA nur Kalifornien am Emissionshandel beteiligt, fließen auch dort größere klimatische Summen. Senator James Inhofe schätzt, dass die USA von 2008 bis Mitte 2012 etwa 70 Milliarden Dollar in “Klimawandel-Aktivitäten” gesteckt haben.

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Die am Emissionshandelssystem (EHS) beteiligte europäische Industrie hat im vergangenen Jahr gegenüber 2010 etwa zwei Prozent Treibhausgase eingespart, und dies trotz zunehmendem Wirtschaftsaufschwung. Das EHS umfasst derzeit über 12.000 Kraftwerke und Industrieanlagen in der EU sowie Norwegen und Liechtenstein (Quelle: Blick.ch).

Diese Reduktion ist schon ganz nett. Jedoch stellt sich die EU langfristig ganz andere Einsparziele vor. Bis 2050 sollen nämlich die Treibhausgas-Emissionen um 80-95% gegenüber dem Vergleichswert von 1990 reduziert werden. ie große Preisfrage: Wie wahrscheinloch ist es, dass dies unter den bekannten momentanen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen klappen könnte?

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Die deutsche Energiewende bleibt weiter eine Herausforderung. Überall tauchen kleinere und größere Probleme auf. An einigen Schauplätzen stören auch noch kleine Tiere das Projekt:

Nach einem Medienbericht wurde 2011 rund 200.000 Hartz-IV-Empfängern der Strom abgedreht, weil sie ihre Stromrechnung nicht bezahlen konnten (SZ, 30.5.2012). Der Paritätische Gesamtverband errechnete, dass aufgrund der höheren Strompreise bei Hartz-IV-Empfängern mittlerweile eine Unterdeckung entstand.

Das Handelsblatt berichtete am 24.5.2012 ausführlich auf der Titelseite über die gestiegenen Strompreise und überraschende Autarkiebestrebungen einzelner Bundesländer:

„Subventionen für Ökoenergien [machen] rund 14 Prozent der Stromrechnung eines Privathaushalts aus […]. Viele Bürger sind dadurch überfordert. So hat die Verbraucherzentrale ermittelt, dass in Nordrhein-Westfalen schon 120 000 Haushalten der Strom abgedreht wurde, weil sie die Rechnung nicht bezahlen können. Auf Deutschland hochgerechnet wären das 600 000 Haushalte. […] Beispiel Energieautarkie: Statt etwa auf Windstrom aus dem Norden zurückzugreifen, streben Bayern und Baden-Württemberg an, sich selbst mit Strom zu versorgen. Bayerns Regierungschef Horst Seehofer brachte gestern gar die Gründung eines „Bayernwerks“ ins Spiel. Schleswig-Holstein dagegen will Windstrom „exportieren“ und Anlagen über den eigenen Bedarf hinaus bauen. Klein-Klein, wo ein nationaler Kraftakt erforderlich wäre. „Im Moment sehe ich 16 verschiedene Energiewenden in Deutschland“, sagt Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur.“

Die in Deutschland noch üppig fließenden Subventionen für Solar- und Windenergie stoßen in Europa offenbar auf wenig Gegenliebe. Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem internen Strategiepapier, wie diese Subventionen europaweit möglichst schnell abgeschafft werden könnten (siehe Bericht auf notrickszone.com) (weiterlesen …)

Was bringt die kommende Solarflaute? Das Hadley Centre lässt sich ein Hintertürchen offen

Unter den Solarphysikern herrscht weitgehend Konsens, dass die kommenden Jahrzehnte durch eine Solarflaute geprägt sein werden. Der Beginn hat sich in den letzten Jahren bereits eindrucksvoll gezeigt (siehe S. 299-302 in „Die kalte Sonne“). Die neuesten Arbeiten hierzu kommen von Feynman & Ruzmaikin (2011), Li et al. (2011a), Owens et al. (2011b) und Barnard et al. (2011). Jeffrey Love vom US Geological Survey studierte mit Kollegen das Sonnenmagnetfeld im letzten besonders inaktiven Minimum 2009 zwischen dem 23. und 24. Sonnenfleckenzyklus. Es unterscheidet sich deutlich von den Sonnenfleckenminima der vorangegangenen 12 Zyklen seit 1868 und erschien den Forschern ungewöhnlich, ja sogar seltsam, sagten sie jetzt in ihrer kürzlich dazu veröffentlichten Arbeit. Love und Kollegen vermuten daher größere Veränderungen im Sonnendynamo. Auch der Spiegel hatte bereits über die heraufziehende Solarflaute geschrieben (hier und hier). Nur Sami Solanki und seine Kollegin Natalie Krivova vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung schwimmen noch gegen den Strom und behaupten als Einzelmeinung einfach einmal, dass man es nicht so genau wissen kann. Wie praktisch. Denn damit liegt man immer richtig. Das „Nichts-Genaues-weiss-man-nicht“-Paper kam dem Weltklimarat natürlich gerade recht. Momentan entsteht der 5. Klimabericht des IPCC, da ist man für jede Unterstützung beim Kampf gegen die Klimawirkung der Sonne dankbar.

Die große Frage ist nun, ob die deutliche Abschwächung der Sonnenaktivität auch eine spürbare Abkühlung bringen wird. Wenn man sich die letzten 10.000 Jahre anschaut, so muss man diese Frage empirisch mit einem ganz klaren ja beantworten. Immer wenn die Sonne schwach wurde, knickten auch die Temperaturen um ein halbes bis ganzes Grad ein, je nach Ausmaß der Sonnenflaute. Man sollte daher eher andersherum fragen: Warum sollte dieser geologisch gut dokumentierte Kühleffekt plötzlich nicht mehr wirksam sein?

Naja, in der Natur ist er sicherlich noch vorhanden, nur in den aktuellen Klimamodellen fehlt er jetzt halt. Das hat kürzlich noch einmal Gareth Jones vom IPCC-nahen englischen Hadley Centre zusammen mit zwei Kollegen schön gezeigt. Sie veröffentlichten kürzlich im Journal of Geophysical Research eine Abschätzung für den Abkühlungseffekt der kommenden Solarflaute auf Basis der gängigen IPCC-Modelle. Da die Sonne in diesen Modellen kaum eine klimatische Wirkung hat und stattdessen für das CO2 eine stark überhöhte Klimasensitivität angenommen wird, hätten sich die Forscher ihre aufwendigen Modellierungen im Prinzip sparen können. Bei einem auf diese Weise gestrickten Modell kann nämlich nur eines herauskommen, nämlich dass die bevorstehende Abschwächung der Sonne klimatisch angeblich fast keine Auswirkung hätte. Genüsslich schreiben die Forscher von einem Abkühlungseffekt bis 2100 von maximal einem Zehntel Grad.

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Henrik Svensmark schließt eine weitere Lücke in seinem Solarverstärker

Es ist bekannt, dass Schwankungen in der Gesamtstrahlung der Sonne zu schwach sind, als dass sie signifikante Temperaturschwankungen auslösen könnten. Allerdings zeigt der Blick zurück auf die letzten 10.000 Jahre, dass es starke Temperaturschwankungen mit mehr als 1 Grad Celsius gegeben hat, die interessanterweise parallel zur Sonnenaktivität verliefen (siehe Kapitel 3 in „Die kalte Sonne“). Man muss also davon ausgehen, dass diese historischen Temperaturschwankungen von der Sonne verursacht worden sind. Aufgrund der eindeutigen empirischen Datenlage ist demnach ein Solarverstärker zu fordern, den die heute vom Weltklimarat verwendeten Klimamodelle jedoch nicht enthalten. 

Die Autoren der neuen Studie zum Svensmark-Solarverstärker: (von links) Henrik Svensmark, Martin Enghoff und Jens Olaf Pepke Pedersen. Quelle: Calder’s Update.

 

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Zwei Jahre umsonst gerechnet: Schade um die verlorene Rechenzeit

In der Süddeutschen Zeitung berichtete Christopher Schrader in seinem Artikel „Die Zukunft aus 24 Schränken” über neue Klimamodellierungen des Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPIM) in Kooperation mit dem Klimarechenzentrums (DKRZ) und kündigte die Ergebnisse per Titelunterschrift als großen wissenschaftlichen Durchbruch an: „Ein Supercomputer hat genauer als je zuvor berechnet, wie sich das Klima bis ins Jahr 2300 ändern könnte.“ Na, dann hat sich der ganze Aufwand und die Schufterei doch gelohnt, dürfte sich der überwiegende Teil der Leser gedacht haben. Endlich haben wir Gewissheit über die Zukunft des Klimas und unserer Erde. Der Direktor des MPIM Prof. Jochem Marotzke berichtet, dass nun auch endlich ein Szenario gerechnet werden konnte, bei dem noch das sogenannte 2-Grad-Ziel erreicht werden kann, also die Begrenzung der Neuerwärmung auf maximal 2 Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung 1850. Marotzke erklärt jedoch auch warnend: “Um diesen Pfad zu erreichen, dürfen die Treibhausgas-Emissionen nur noch bis 2020 steigen und müssen dann sehr schnell fallen.” Das heißt, aggressive Klimaschutzmaßnahmen würden notwendig werden, die mit einem Komplett-Umbau der Industriegesellschaft verbunden sein werden. (weiterlesen …)

IPCC-naher Klimaforscher verschafft sich mit gestohlener Identität Zugang zu vertraulichen Dokumenten

Der IPCC-nahe Wasser- und Klimaforscher Dr. Peter Gleick gab am 20. Februar 2012 in einem Blog-Artikel auf der Huffington Post-Webseite zu, dass er sich unter Vortäuschung einer falschen Identität auf illegale Weise vertrauliche Unterlagen des klimaskeptischen Heartland Instituts beschaffte. Die Woche zuvor hatte Gleick, Präsident des kalifornischen Pacific Institute in Oakland, anonym die sechs internen Heartland-Finanzmemos an 15 Medien und Blogs zur Veröffentlichung weitergeleitet. Unter anderem erschienen die gestohlenen Dokumente auf Seiten wie DeSmogBlog. Pikanterweise war Gleick bis vor kurzem Mitglied einer Task Force für wissenschaftliche Ethik der in den Klimawissenschaften hochangesehenen American Geophysical Union.

Noch Ende letzten Jahres war Gleick Co-Autor eines Papiers in dem er ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit bzw. den Politikern als Grundvoraussetzung für die Planung einer nachhaltigen Zukunft ansah. Und ein solches Vertrauensverhältnis wäre nur möglich, wenn sich die Forscher den höchsten Standards der wissenschaftlichen Integrität verpflichtet sähen, schrieb Gleick mit seinem Co-Autor damals. Am 16. Februar, vier Tage vor seinem öffentlichen Schuldbekenntnis, legte Gleick plötzlich sein Amt in der Ethik-Kommission der AGU nieder und führte damals noch nebulös “persönliche, private Gründe” an. Nach Bekanntwerden der Hintergründe der Affäre verurteilte die AGU nun Gleicks unethisches Verhalten, das in keiner Weise den Werten der Organisation entspricht. Auch der AGU-Präsident schrieb, dass er Gleicks Verhalten nicht dulden könne. Der Co-Autor des Buches “Die kalte Sonne”, Dr. Sebastian Lüning, ist seit 20 Jahren Mitglied der AGU.

Noch unklar ist, wer das offenbar gefälschte zweiseitige Strategiepapier verfasst hat, das sich unter den von Gleick weitergeleiteten Dokumenten befand und ebenfalls mitveröffentlicht wurde. Das Heartland-Institut erklärte, dass es sich um eine klare Fälschung handelt. Gleick bestreitet, dass er Änderungen an den Dokumenten vorgenommen hätte.

Siehe auch Bericht auf notrickszone.com und Spiegel Online